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Ein Paar sitzt im warmen Abendlicht auf einer Parkbank und lächelt sich an

Wegweiser · Pflegefamilie werden

Pflegeeltern werden: welcher Weg passt zu Ihnen?

Finden Sie ohne Fachjargon in wenigen Schritten heraus, ob § 33 Satz 1, § 33 Satz 2 oder § 34 zu Ihnen passt.

Wegweiser

Welche Pflegeform passt zu Ihnen?

Elara stellt Ihnen eine kurze Frage und zeigt Ihnen den passenden Weg.

Elara fragt

Willkommensguide

Von der ersten Anfrage bis zu den ersten Wochen.

Ein geführter Fahrplan, der Erstgespräch, Unterlagen, Eignung, Matching, Herkunftsfamilie, Rechte, Geld und Selbstfürsorge in eine verständliche Reihenfolge bringt.

Heller Tisch mit Unterlagen und einem warmen Familienfoto
Vor der Anfrage
Erstgespräch

Mit klaren Fragen ins erste Gespräch gehen.

Ob Jugendamt oder freier Träger: Am Anfang brauchen Sie keine perfekte Entscheidung, sondern eine saubere Sortierung. Lege offen, wer im Haushalt lebt, wie viel Zeit realistisch ist und welche Pflegeformen überhaupt infrage kommen.

To-dos

  • eigene Belastungsgrenzen, Arbeitszeiten und Netzwerk notieren
  • fragen, ob § 33 Satz 1, § 33 Satz 2, Bereitschaftspflege oder § 34 angeboten wird
  • direkt klären, wer im Notfall erreichbar ist und wie Fachberatung aussieht

Gute Fragen

  • Welche Pflegeform passt zu meiner Ausgangslage?
  • Welche Unterlagen werden wirklich benötigt?
  • Gibt es freie Träger oder besondere Pflegeformen in meiner Region?
Über Geld und Paragrafen hinaus

Drei Wahrheiten, die den Alltag tragen

Was darüber entscheidet, ob eine Pflegefamilie langfristig stabil bleibt.

Herkunft bleibt Teil des Kindes

Umgangskontakte und Biografiearbeit sind keine Randthemen. Pflegeeltern brauchen eine Haltung, die Herkunft nicht kleinmacht und das Kind nicht in Loyalitätskonflikte drückt.

Rechte und Pflichten gehören früh auf den Tisch

Alltagssorge, Hilfeplan, Beratung, Datenschutz, Dokumentation und Schweigepflicht sollten vor der Aufnahme verstanden sein, nicht erst in der Krise.

Selbstfürsorge ist Teil der Stabilität

Pausen, Supervision, Vertretung und ein ehrliches Netzwerk sind kein Luxus. Sie entscheiden mit darüber, ob eine Pflegefamilie langfristig tragfähig bleibt.

33.1, 33.2, 34

Die drei Wege im ehrlichen Vergleich.

Der wichtigste Punkt: § 33 Satz 2 ist keine automatische Fachkraft-Schublade, und § 34 ist nicht einfach "mehr Pflegegeld". Es sind unterschiedliche Rechts- und Arbeitsrahmen mit unterschiedlichen Chancen und Zumutungen.

§ 33 Satz 1 Vollzeitpflege
§ 33 Satz 2 Besondere Familienpflege
§ 34 Erziehungsstelle
Für wen
Privatpersonen, ohne zwingende Fachausbildung
Kinder mit besonderer Entwicklungsbeeinträchtigung; Nicht-Fachkräfte nicht ausgeschlossen
in der Regel zwingend pädagogische Fachkraft, an einen Träger gebunden
Geld / Monat
rund 1.200–1.510 € (Empfehlung DV 2026)
Standard ~2.200–2.600 €, Fachpflege ~3.000–7.400 €
rund 4.500–5.600 € (brutto)
Steuer
steuerfrei (§ 3 Nr. 11 EStG)
steuerfrei; hohe Träger-Vergütung oft steuerpflichtig
meist steuerpflichtig (Einzelfall laut BFH-Rechtsprechung)
Versicherung
abgesichert, Zuschuss zur Alterssicherung
meist abgesichert
im Honorarmodell selbst zu tragen
Betriebserlaubnis
nein
nein
ja (hält der Träger)
Höhere Einstufung
entfällt
Einzelfallentscheidung des Jugendamts, kein Anspruch
über Träger-Leistungsvereinbarung

§ 33 Satz 2 und § 34 wirken finanziell attraktiver, bringen aber meist mehr Erwartung, Struktur und Verantwortung. Die Details pro Weg zeigt Ihnen oben Elara.

Ehrlich bleiben

Realität & Risiken, bevor ihr Ja sagt.

Pflegekinder bringen oft schwere Vorerfahrungen mit. Das ist keine Abschreckung, sondern die ehrliche Basis für eine tragfähige Entscheidung.

Psyche

30–60 % der Pflegekinder haben behandlungsbedürftige psychische Belastungen. Das lässt sich nicht wegküssen.

Deutsches Ärzteblatt
FASD

Etwa jedes 4.–5. Pflegekind ist von FASD betroffen: eine lebenslange, hirnorganische Behinderung, die sich nicht wegerziehen lässt.

Uni/FH Münster · fasd.info
Bindung

Bei rund einem Drittel liegt eine reaktive Bindungsstörung vor. Nähe, Kontrolle und Distanzlosigkeit können anfangs verstören.

Kindheit und Entwicklung
Eigene Belastung

Wer mit einem traumatisierten Kind lebt, trägt ein reales Risiko sekundärer Traumatisierung. Supervision ist Schutz, kein Luxus.

Fachverband Traumapädagogik
Eigene Familie

Auch Partnerschaft und leibliche Kinder sind betroffen: Eifersucht und weniger gemeinsame Zeit sind der Normalfall und ein häufiger Auslöser für Krisen.

moses-online · Kaplan
Abbruch

Pflegeverhältnisse können scheitern: international brechen 20–50 % der langfristigen Platzierungen ab (für Deutschland gibt es keine belastbare Quote).

Konijn et al. 2019
Rückführung

Ein Pflegekind kann zur Herkunftsfamilie zurückkehren, auch nach Jahren enger Bindung. Pflege ist rechtlich oft auf Rückkehr angelegt; eine Garantie auf Dauer gibt es nicht.

§ 37 SGB VIII
Umgang

Regelmäßige Besuchskontakte zur Herkunftsfamilie sind Recht des Kindes und oft belastend: Kinder regredieren nach Besuchen, Loyalitätskonflikte gehören dazu.

§ 1684 BGB
Rechte

Pflegeeltern haben meist nur die Alltagssorge; wichtige Entscheidungen treffen Sorgeberechtigte und Jugendamt. Das Gefühl von Ohnmacht ist real.

§ 1688 BGB
Pubertät

In der Jugend eskaliert herausforderndes Verhalten oft: Bindungs- und Trauma-Themen brechen neu auf. Aufnahmen älterer Kinder und die Adoleszenz zählen zu den größten Abbruch-Risiken.

Pflegefamilien-Akademie
Mit 18

Mit dem Erwachsenwerden läuft nicht alles selbstverständlich weiter. Hilfe für junge Volljährige ist möglich (§ 41 SGB VIII), aber Careleaver müssen oft früher selbstständig werden als Gleichaltrige.

§ 41 SGB VIII
Vorgeschichte

Medizinische, genetische und biografische Vorgeschichte ist oft lückenhaft. Diagnosen wie FASD liegen bei der Vermittlung meist noch nicht abgeschlossen vor. Vieles zeigt sich erst im Alltag.

LVR/LWL-Landesjugendamt
Was davor schützt

Nicht Perfektion, sondern realistische Erwartungen, Fachberatung und Supervision von Anfang an, traumasensible Schulung, echte Entlastung/Auszeiten und ein ehrliches Netzwerk. Stabilität ist Ergebnis professioneller Arbeit, kein Zufall.

Gegencheck

Quellen und Stand.

Stand: 2. Juli 2026. Keine Rechts- oder Steuerberatung. Die Pflegegeld-Pauschalen folgen der Empfehlung des Deutschen Vereins 2026 (die Länder setzen verbindliche, teils abweichende Sätze fest). Genannte Träger-Vergütungen (§ 33 Satz 2, § 34) sind Größenordnungen aus uns vorliegenden Nachweisen und variieren je nach Träger, Region und Hilfebedarf. Ob solche Vergütungen steuerfrei oder steuerpflichtig sind, ist laut BFH-Rechtsprechung eine Frage der konkreten Ausgestaltung, nicht allein des Paragrafen; bitte vom Steuerberater prüfen lassen. Für Erziehungsstellen (§ 34) setzen die geprüften Landesjugendämter in der Regel zwingend eine pädagogische Fachkraft voraus und verlangen einen Träger mit eigener Betriebserlaubnis; die Familie kann nicht selbst Trägerin sein. Regionale Richtlinien, Pauschalen, Trägerverträge und Betriebserlaubnisfragen immer beim zuständigen Jugendamt oder Träger klären.

§ 33 SGB VIII: Vollzeitpflege § 34 SGB VIII: Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform § 36 SGB VIII: Hilfeplan § 37a SGB VIII: Beratung und Unterstützung der Pflegeperson § 39 SGB VIII: Leistungen zum Unterhalt § 44 SGB VIII: Pflegeerlaubnis § 41 SGB VIII: Hilfe für junge Volljährige (Careleaving) § 42 SGB VIII: Inobhutnahme (Bereitschaftspflege) § 30a BZRG: erweitertes Führungszeugnis Deutsches Ärzteblatt: Pflegekinder – Vielfältige Herausforderungen FASD bei Pflegekindern (Uni/FH Münster) Konijn et al. 2019: Abbrüche von Pflegeverhältnissen (Metaanalyse) Pflegefamilien-Akademie: Abbrüche von Pflegeverhältnissen § 1684 BGB: Umgang des Kindes mit den Eltern § 1688 BGB: Alltagssorge der Pflegeperson Deutscher Verein: Pauschalbeträge Vollzeitpflege 2026 § 45 SGB VIII: Erlaubnis für den Betrieb einer Einrichtung § 3 Nr. 11 EStG: steuerfreie Bezüge aus öffentlichen Mitteln BMF-Schreiben 31.08.2021: Besteuerung von Geldleistungen für Kinder in Vollzeitpflege Context e. V.: Erziehungsstelle § 33 Satz 2 vs. § 34 KVJS: Rahmenbedingungen in der Vollzeitpflege KVJS: Voraussetzungen für die Erteilung einer Betriebserlaubnis (§ 45 SGB VIII) Bayerisches Landesjugendamt: Handlungsempfehlung selbstständig tätige Erziehungsstellen BAG Landesjugendämter: Fachkräftegebot in erlaubnispflichtigen Einrichtungen BFH-Urteil VIII R 27/11 (05.11.2014): Erziehungsstelle, Zahlung über zwischengeschalteten Träger bleibt steuerfrei BFH-Urteil VIII R 27/18 (14.07.2020): steuerfreie Einzelbetreuung im eigenen Haushalt BFH-Urteil VIII R 13/19 (30.11.2022): institutionalisierte Betreuung nach § 34 SGB VIII steuerpflichtig DIJuF-Rechtsgutachten (11.10.2023): Erziehungsstelle als Hilfe eigener Art, Abgrenzung § 33/§ 34 Bayerisches Landesjugendamt: Vollzeitpflege Bremen: finanzielle Leistungen Vollzeit- und Übergangspflege 2026

Bereit für ein konkretes Gespräch?

Starten Sie mit einer ehrlichen Selbsteinschätzung oder öffne Ihre Region. Danach können Sie Jugendamt oder Träger sehr viel gezielter fragen.