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Voraussetzungen für Pflegeeltern
Was wird wirklich erwartet?

Du möchtest Pflegeeltern werden und fragst dich, welche Voraussetzungen du erfüllen musst? Gute Nachricht: Du musst weder perfekt noch reich sein. Dieser Ratgeber erklärt dir alle formalen und persönlichen Anforderungen — ehrlich, verständlich und ohne Behördendeutsch.

8 Min. LesezeitAktualisiert: Februar 2026

Formale Voraussetzungen

Die formalen Voraussetzungen für Pflegeeltern sind im Sozialgesetzbuch VIII (SGB VIII) geregelt — konkret in den §§ 33, 36 und 44 SGB VIII. Diese Anforderungen sollen sicherstellen, dass ein Pflegekind in einem sicheren und förderlichen Umfeld aufwächst. Die gute Nachricht: Die Hürden sind niedriger, als viele denken.

Mindestalter: in der Regel 25 Jahre

Das SGB VIII nennt kein festes Mindestalter. Die meisten Jugendämter erwarten jedoch mindestens 25 Jahre. Der Altersabstand zum Pflegekind sollte einer natürlichen Eltern-Kind-Beziehung entsprechen — üblicherweise nicht mehr als 40 bis 45 Jahre. Eine starre Altersgrenze nach oben gibt es nicht: Wer körperlich und geistig fit ist, kann auch mit 55 oder 60 noch Pflegeeltern werden.

Erweitertes Führungszeugnis

Für alle im Haushalt lebenden Personen ab 18 Jahren wird ein erweitertes Führungszeugnis nach § 30a BZRG verlangt. Es darf keine einschlägigen Einträge enthalten — insbesondere keine Verurteilungen wegen Straftaten gegen die körperliche Unversehrtheit, die sexuelle Selbstbestimmung oder das Kindeswohl. Das Führungszeugnis darf nicht älter als drei Monate sein.

Ärztliches Gesundheitszeugnis

Ein ärztliches Attest bestätigt, dass du körperlich und psychisch in der Lage bist, ein Kind über einen längeren Zeitraum zu betreuen. Es geht nicht um Perfektion — chronische Erkrankungen sind kein automatisches Ausschlusskriterium, solange die Betreuung des Kindes gesichert ist. Dein Hausarzt stellt das Attest in der Regel unkompliziert aus.

Eigenes Zimmer für das Pflegekind

Das Kind braucht einen eigenen Rückzugsort — ein eigenes Zimmer. Die Wohnung muss nicht luxuriös sein, aber ausreichend Platz für ein weiteres Familienmitglied bieten. Ein Kinderzimmer von ca. 8 bis 10 m² gilt als Minimum. Ob Eigentum oder Miete spielt keine Rolle.

Gesicherte finanzielle Grundlage

Du musst deinen Lebensunterhalt eigenständig bestreiten können — unabhängig vom Pflegegeld. Das bedeutet nicht, dass du wohlhabend sein musst. Ein normales Gehalt oder eine Rente reichen aus. Das Pflegegeld deckt die Kosten für das Kind und ist kein Einkommen für dich. Mehr dazu im Abschnitt Finanzielle Voraussetzungen.

Teilnahme an Vorbereitungsseminaren

Die meisten Jugendämter verlangen die Teilnahme an einem Vorbereitungskurs (oft 20 bis 30 Stunden). Dort wirst du auf typische Situationen im Pflegealltag vorbereitet: Bindung, Trauma, Umgangskontakte, Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie und dem Jugendamt. Die Kurse sind kostenlos und finden oft an Wochenenden statt.

Gut zu wissen

Die Anforderungen können je nach Jugendamt leicht variieren. Manche Jugendämter haben zusätzliche Anforderungen, andere sind flexibler. Sprich am besten direkt mit dem Jugendamt oder dem Pflegekinderdienst in deiner Stadt oder deinem Landkreis.

Persönliche Voraussetzungen

Neben den formalen Anforderungen spielen die persönlichen Eigenschaften eine mindestens ebenso große Rolle. Das Jugendamt möchte sicherstellen, dass du den Herausforderungen des Pflegealltags gewachsen bist — und dass das Kind bei dir ein liebevolles, stabiles Zuhause findet.

Belastbarkeit

Pflegekinder bringen oft schwierige Erfahrungen mit. Verhaltensauffälligkeiten, Rückschläge und emotionale Krisen gehören zum Pflegealltag. Du brauchst die Fähigkeit, auch in stressigen Phasen ruhig und besonnen zu bleiben.

Erziehungskompetenz

Du musst keine Pädagogin oder kein Pädagoge sein — aber Erfahrung im Umgang mit Kindern ist wichtig. Ob eigene Kinder, Nichten und Neffen, Nachhilfe oder Ehrenamt: Jede Form von Erziehungserfahrung zählt.

Einfühlungsvermögen

Pflegekinder brauchen Erwachsene, die ihre Geschichte verstehen und ihre Gefühle ernst nehmen. Die Fähigkeit, sich in die Perspektive eines Kindes hineinzuversetzen, ist eine der wichtigsten Eigenschaften.

Kooperationsbereitschaft

Als Pflegeeltern arbeitest du eng mit dem Jugendamt, dem Vormund und oft auch mit der Herkunftsfamilie zusammen. Offenheit für diese Zusammenarbeit — auch wenn sie manchmal herausfordernd ist — ist unverzichtbar.

Reflexionsfähigkeit

Die Bereitschaft, das eigene Handeln zu hinterfragen, Fehler einzugestehen und an sich zu arbeiten. Supervision und Fortbildungen gehören zum Pflegealltag dazu — wer offen dafür ist, profitiert enorm.

Stabiles soziales Umfeld

Ein unterstützendes Netzwerk aus Familie, Freunden oder anderen Pflegeeltern macht einen großen Unterschied. Du musst es nicht alleine schaffen — aber die Bereitschaft, dir Hilfe zu holen, ist entscheidend.

Wichtig

Niemand erwartet, dass du perfekt bist. Das Jugendamt sucht keine Supermenschen, sondern authentische, reflektierte Menschen mit Herz. Wer bereit ist zu lernen, Hilfe anzunehmen und die Bedürfnisse eines Kindes in den Mittelpunkt zu stellen, bringt das Wichtigste bereits mit.

Finanzielle Voraussetzungen

Ein häufiges Missverständnis: Man müsse wohlhabend sein, um ein Pflegekind aufzunehmen. Das stimmt nicht. Die finanziellen Anforderungen sind realistisch und fair geregelt.

So ist es geregelt:

  • Eigenständige Grundsicherung: Du musst deinen eigenen Lebensunterhalt unabhängig vom Pflegegeld bestreiten können. Ein normales Gehalt, eine Rente oder Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit reichen aus. Es gibt keine festgelegte Einkommensgrenze nach oben oder unten.

  • Pflegegeld deckt die Kosten fürs Kind: Pflegeeltern erhalten monatliches Pflegegeld nach § 39 SGB VIII, das die materiellen Aufwendungen (Nahrung, Kleidung, Wohnung, Schulmaterial) und einen Erziehungsbeitrag umfasst. Je nach Bundesland und Alter des Kindes liegt es zwischen ca. 750 und 1.200 Euro monatlich.

  • Zusätzliche Leistungen: Darüber hinaus gibt es Erstausstattungsbeihilfen, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld und Sonderbedarfe (z.B. für Brille, Klassenfahrt, Nachhilfe, Therapie). Diese werden auf Antrag beim Jugendamt bewilligt.

  • Steuerfrei: Pflegegeld ist nach § 3 Nr. 11 EStG steuerfrei, solange du nicht mehr als sechs Pflegekinder gleichzeitig betreust.

Tipp

Verschuldung oder Insolvenz können ein Problem sein, weil sie auf eine instabile Lebenssituation hindeuten. Aber auch hier gilt: Sprich offen mit dem Jugendamt. Wer nachweislich an seiner Situation arbeitet, hat trotzdem Chancen.

Ausführlicher Ratgeber

Pflegegeld 2026: Höhe nach Bundesland & Altersgruppe

Aktuelle Pflegegeldsätze, Zusatzleistungen und wie du Pflegegeld beantragst.

Was NICHT erforderlich ist — Mythen entkräftet

Rund um das Thema Pflegeeltern kursieren viele Fehlinformationen, die Menschen davon abhalten, den ersten Schritt zu machen. Hier räumen wir mit den häufigsten Mythen auf:

Diese Annahmen sind falsch:

“Man braucht eine pädagogische Ausbildung”

Falsch. Eine pädagogische oder medizinische Ausbildung ist kein Muss. Sie kann hilfreich sein, aber die allermeisten Pflegeeltern haben einen ganz anderen beruflichen Hintergrund. Entscheidend sind Erziehungskompetenz und die Bereitschaft, dazuzulernen.

“Man muss verheiratet sein”

Falsch. Alleinstehende, unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Paare und Patchwork-Familien können Pflegeeltern werden. Der Familienstand ist kein Kriterium — die persönliche Eignung und ein stabiles Umfeld sind entscheidend.

“Man braucht eine eigene Immobilie”

Falsch. Eine Mietwohnung ist völlig ausreichend — solange genügend Platz vorhanden ist und das Kind ein eigenes Zimmer bekommt. Eigentum ist keine Voraussetzung.

“Man braucht ein bestimmtes Einkommen”

Falsch. Es gibt keine festgelegte Einkommensgrenze. Du musst nur deinen eigenen Lebensunterhalt eigenständig bestreiten können. Das Pflegegeld deckt die Kosten für das Kind separat.

“Ab 50 ist man zu alt”

Falsch. Es gibt keine starre Altersgrenze nach oben. Solange du körperlich und geistig fit bist, kannst du auch mit 55, 60 oder älter ein Pflegekind aufnehmen. Gerade für ältere Kinder oder Jugendliche werden erfahrene, lebenskluge Pflegeeltern oft bevorzugt.

Tipp

Wenn du dir unsicher bist, ob du die Voraussetzungen erfüllst, ruf einfach beim Pflegekinderdienst deines Jugendamtes an. Die Beratung ist kostenlos, unverbindlich und vertraulich. Viele, die zunächst gezweifelt haben, sind heute wunderbare Pflegeeltern.

Die Eignungsprüfung durch das Jugendamt

Die Eignungsprüfung ist kein Verhör und keine Prüfung im klassischen Sinne. Sie ist ein Kennenlernprozess, bei dem sich das Jugendamt ein umfassendes Bild von dir, deinem Umfeld und deiner Motivation macht. Ziel ist es, sicherzustellen, dass das Pflegekind in ein geeignetes Zuhause kommt.

1

Ausführliche Gespräche

Eine Fachkraft des Pflegekinderdienstes führt mehrere, meist mehrstündige Gespräche mit dir (und ggf. deinem Partner oder deiner Partnerin). Themen sind: Eure Motivation, Lebensgeschichte, Erziehungsvorstellungen, Erwartungen, Umgang mit Konflikten, Einstellung zur Herkunftsfamilie und Bereitschaft zur Kooperation.

2

Hausbesuch

Mindestens ein Hausbesuch gehört zum Verfahren. Die Fachkraft macht sich ein Bild von euren Wohnverhältnissen, dem Kinderzimmer und dem Familienalltag. Es geht nicht darum, ob alles perfekt geputzt ist — sondern ob das Kind einen sicheren, kindgerechten Lebensraum vorfindet.

3

Unterlagen einreichen

Erweitertes Führungszeugnis, ärztliches Gesundheitsattest, Einkommensnachweise, Meldebescheinigung, Lebenslauf und ein Motivationsschreiben. Die Dokumente werden vom Jugendamt geprüft und in den Sozialbericht aufgenommen.

4

Vorbereitungsseminar

Das Jugendamt (oder ein beauftragter freier Träger) bietet Vorbereitungskurse an — oft 20 bis 30 Stunden, verteilt auf mehrere Wochenenden. Dort lernst du andere Bewerber kennen und wirst auf typische Situationen vorbereitet: Bindung, Trauma, Biografiearbeit, Umgangskontakte.

5

Sozialbericht

Am Ende des Verfahrens erstellt die Fachkraft einen Sozialbericht (auch Eignungsbericht genannt), der eure Eignung dokumentiert. Dieser Bericht ist die Grundlage für die Vermittlung eines Pflegekindes. Ihr bekommt den Bericht in der Regel zur Einsicht und könnt Ergänzungen anregen.

Wie lange dauert es?

Die Eignungsprüfung dauert in der Regel 3 bis 6 Monate. Die Dauer hängt von der Auslastung des Jugendamtes, der Verfügbarkeit von Seminarplätzen und eurem eigenen Tempo ab. Manche Jugendämter sind schneller, andere brauchen etwas länger.

Was wird gefragt?

Typische Themen: Eure eigene Kindheit, wie ihr mit Konflikten umgeht, warum ihr Pflegeeltern werden wollt, wie ihr zur Herkunftsfamilie steht, wie ihr euch den Alltag mit einem Pflegekind vorstellt und wie euer soziales Umfeld aufgestellt ist.

Tipp

Seid ehrlich und authentisch in den Gesprächen. Die Fachkräfte suchen keine perfekten Antworten, sondern realistische Einschätzungen. Wer eigene Schwächen kennt und benennen kann, macht einen besseren Eindruck als jemand, der sich als fehlerfrei darstellt.

Ausführlicher Ratgeber

Pflegekind aufnehmen: Bewerbung, Ablauf & Vermittlung

Jeder Schritt im Detail — von der Bewerbung bis zum Einzug.

Checkliste: Bin ich als Pflegeeltern geeignet?

Diese Checkliste gibt dir eine erste Orientierung. Je mehr Punkte du mit “Ja” beantworten kannst, desto besser sind deine Voraussetzungen. Aber auch wenn nicht alles zutrifft: Das bedeutet nicht automatisch, dass du ungeeignet bist. Sprich mit dem Jugendamt — viele Dinge lassen sich klären.

Formale Grundlagen

Persönliche Eignung

Innere Haltung

Diese Checkliste dient der Selbsteinschätzung und ersetzt keine offizielle Eignungsprüfung durch das Jugendamt. Für eine verbindliche Einschätzung wende dich an den Pflegekinderdienst in deiner Stadt oder deinem Landkreis.

Gut zu wissen

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Häufige Fragen zu den Voraussetzungen

Welches Mindestalter gilt für Pflegeeltern?

Das SGB VIII nennt kein gesetzliches Mindestalter für Pflegeeltern. In der Praxis setzen die meisten Jugendämter ein Mindestalter von 25 Jahren voraus. Der Altersabstand zum Pflegekind sollte einer natürlichen Eltern-Kind-Beziehung entsprechen — in der Regel nicht mehr als 40 bis 45 Jahre. Eine starre Altersgrenze nach oben existiert nicht; entscheidend ist die körperliche und geistige Gesundheit.

Brauche ich als Pflegeeltern eine pädagogische Ausbildung?

Nein, eine pädagogische Ausbildung ist keine Voraussetzung, um Pflegeeltern zu werden. Wichtiger sind Erziehungskompetenz, Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit und die Bereitschaft, an Vorbereitungsseminaren und Fortbildungen teilzunehmen. Berufliche Qualifikationen im pädagogischen oder medizinischen Bereich können ein Vorteil sein, sind aber kein Muss.

Können alleinstehende Personen Pflegeeltern werden?

Ja, auch alleinstehende Personen können Pflegeeltern werden. Ebenso können unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Paare und Patchwork-Familien ein Pflegekind aufnehmen. Entscheidend ist nicht der Familienstand, sondern die persönliche Eignung, ein stabiles Umfeld und die Bereitschaft, sich auf die besonderen Bedürfnisse eines Pflegekindes einzulassen.

Wie läuft die Eignungsprüfung durch das Jugendamt ab?

Die Eignungsprüfung umfasst mehrere Schritte: Zunächst finden ausführliche Gespräche mit einer Fachkraft des Jugendamtes statt, in denen eure Motivation, Lebenssituation und Erziehungsvorstellungen besprochen werden. Dazu kommt mindestens ein Hausbesuch, bei dem sich die Fachkraft einen Eindruck von den Wohnverhältnissen und dem Familienalltag macht. Ihr reicht Unterlagen ein (Führungszeugnis, Gesundheitsattest, Einkommensnachweise) und besucht ein Vorbereitungsseminar. Am Ende erstellt das Jugendamt einen Sozialbericht, der eure Eignung dokumentiert. Der gesamte Prozess dauert in der Regel 3 bis 6 Monate.

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