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Praxis

Pflegekind und Kita
Rechtsanspruch, Eingewöhnung & Erziehertipps

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Kita? Wer übernimmt die Kosten? Wie lange dauert die Eingewöhnung wirklich — und was darf die Erzieherin über euer Kind wissen? Dieser Ratgeber beantwortet die wichtigsten Fragen rund um Pflegekinder in Krippe und Kindergarten.

10 Min. LesezeitAktualisiert: Februar 2026§ 24 SGB VIII · § 90 SGB VIII

Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung

Pflegekinder haben denselben gesetzlichen Anspruch auf Kindertagesbetreuung wie alle anderen Kinder — ohne Ausnahme. Der rechtliche Rahmen ist im Achten Sozialgesetzbuch (SGB VIII) geregelt, das auch als Kinder- und Jugendhilfegesetz bekannt ist. Als Pflegeeltern könnt ihr diesen Anspruch für euer Kind geltend machen.

Rechtsansprüche auf einen Blick

§ 24 Abs. 2 SGB VIII

Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr haben einen Rechtsanspruch auf Förderung in einer Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege (Krippe). Dieser Anspruch besteht bis zum Schuleintritt.

§ 24 Abs. 3 SGB VIII

Kinder ab dem vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Schuleintritt haben einen Rechtsanspruch auf Förderung in einer Tageseinrichtung (Kindergarten). Der Umfang richtet sich nach dem Bedarf des Kindes und der Familie.

§ 90 Abs. 3–4 SGB VIII

Kostenbeiträge können auf Antrag erlassen oder übernommen werden, wenn die Belastung den Eltern oder Pflegeeltern nicht zumutbar ist. Für Pflegekinder übernimmt das Jugendamt in der Praxis die Gebühren.

Zuständigkeit und Antragstellung

Zuständig für die Vergabe von Kitaplätzen ist die Wohnortgemeinde der Pflegeeltern — nicht die Herkunftsgemeinde des Kindes oder der Wohnort der Herkunftsfamilie. Das vereinfacht die praktische Abwicklung erheblich. Meldet euer Kind bei der zuständigen Kita oder dem kommunalen Kitaplatzvermittlungssystem an.

Den Antrag auf Übernahme der Kostenbeiträge stellt ihr beim Jugendamt, das den Hilfeplan für euer Pflegekind führt. Legt die Pflegeerlaubnis und den Bescheid über das Pflegegeld vor. Das Jugendamt übernimmt dann direkt mit der Kita die Abrechnung, sodass für euch in der Regel keine Kosten entstehen.

Integrationsplatz für Kinder mit Behinderung

Hat euer Pflegekind eine Behinderung oder ist von Behinderung bedroht, könnt ihr zusätzlich einen Integrationsplatz in einer Inklusionskita beantragen. Dieser ist mit einer zusätzlichen pädagogischen Fachkraft verbunden, die das Kind individuell begleitet. Die Beantragung erfolgt über die Eingliederungshilfe (mehr dazu im Abschnitt Integrationshilfe).

Gut zu wissen

In mehreren Bundesländern ist die Kita für bestimmte Altersgruppen bereits beitragsfrei — etwa in Berlin (ab dem ersten Lebensjahr), Rheinland-Pfalz (ab zwei Jahren) oder Brandenburg (ab dem dritten Lebensjahr). Klärt beim Pflegekinderdienst, welche Regelung in eurem Bundesland gilt, bevor ihr einen Kostenübernahmeantrag stellt.

Den richtigen Zeitpunkt wählen

Der Rechtsanspruch auf Kita besteht — aber wann ist der richtige Zeitpunkt, ihn zu nutzen? Diese Frage beschäftigt viele Pflegeeltern, und die ehrliche Antwort lautet: Fast immer später, als man zunächst denkt. Denn bevor ein Pflegekind täglich in die Kita gehen kann, braucht es zunächst etwas entscheidend Wichtigeres: eine sichere Bindung zu seinen Pflegeeltern.

Wichtig

Nicht zu früh starten! Ein Pflegekind erlebt mit der Aufnahme in die Pflegefamilie bereits eine tief greifende Trennung von allem, was es kannte. Die Kita bedeutet täglich eine weitere Trennung — von der neuen Bezugsperson. Ohne ausreichende Bindungssicherheit kann das die kindliche Entwicklung massiv belasten, statt sie zu fördern. Experten empfehlen eine Eingewöhnungszeit in der Pflegefamilie von mindestens drei bis sechs Monaten, bevor ein Kitastart sinnvoll ist.

Signale des Kindes beachten

Es gibt keine universelle Regel, wann ein Pflegekind bereit ist. Beobachtet die Signale eures Kindes: Zeigt es in eurer Gegenwart Neugierde und Erkundungsfreude? Kommt es bei Stress zu euch zurück und findet dort Beruhigung? Schläft es relativ stabil? Kann es kurze Trennungen (z.B. wenn ihr in ein anderes Zimmer geht) ohne Panik aushalten? Das sind Zeichen, dass die Bindungsbasis stark genug für den nächsten Schritt ist.

Gute Zeichen für Kita-Bereitschaft

  • Zeigt Bindung an Pflegeeltern (sucht Nähe, kommt nach Stress zurück)
  • Kann kurze Trennungen ohne Panikreaktion aushalten
  • Zeigt Neugier auf fremde Kinder und neue Umgebungen
  • Schläft nachts ausreichend stabil
  • Hat sich in Routinen eingelebt (Mahlzeiten, Schlaf, Rituale)

Warnsignale — noch zu früh

  • Anhaltende Trennungspanik bei jeder kurzen Abwesenheit
  • Noch keine erkennbare Bindung an Bezugspersonen
  • Starke Verhaltensauffälligkeiten (Schreien, Regression)
  • Schlaf noch sehr unruhig, viele Albträume
  • Kind befindet sich mitten in einer Krisensituation

Besondere Situation: Bereitschaftspflege und Säuglinge

Bei sehr jungen Säuglingen oder Kindern in Bereitschaftspflege gelten andere Maßstäbe. Hier entscheidet immer der Einzelfall — in enger Abstimmung mit dem Pflegekinderdienst und gegebenenfalls dem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ). Manche sehr jungen Kinder profitieren nach einigen Monaten von altersgerechter Krippe; andere brauchen deutlich länger ausschließliche Eins-zu-eins-Betreuung durch die Pflegeeltern.

Tipp

Besprecht den Kitastart explizit im Hilfeplan-Gespräch mit dem Jugendamt. So ist der Zeitpunkt dokumentiert, alle Beteiligten sind informiert — und ihr habt professionelle Rückendeckung, falls das Umfeld (Arbeitgeber, Verwandte) Druck macht, früher zu starten.

Ausführlicher Ratgeber

Eingewöhnung Pflegekind: Die ersten Wochen meistern

Warum die erste Zeit in der Pflegefamilie so entscheidend ist — und wie Bindung aufgebaut wird, bevor die Kita ins Spiel kommt.

Eingewöhnung — länger und sensibler

Wenn der Zeitpunkt für den Kita-Start gekommen ist, beginnt eine Phase, die für Pflegekinder deutlich aufwendiger ist als für Kinder ohne Trennungserfahrungen. Die klassische Eingewöhnung nach dem Berliner Modell (zwei bis drei Wochen) oder dem Münchener Modell muss für Pflegekinder meist erheblich verlängert und individuell angepasst werden.

2–3

Wochen: Eingewöhnung bei nicht-belasteten Kindern

4–6

Wochen: Empfohlene Eingewöhnungszeit für Pflegekinder

bis 12

Wochen: bei stark traumatisierten Kindern möglich

Trennungsangst ist keine Verwöhnung

Ein wichtiges Missverständnis, das ihr mit der Kita klären solltet: Wenn ein Pflegekind intensiv weint, sich klammert oder starke Abwehrreaktionen zeigt, ist das kein Ausdruck von Verwöhntheit oder mangelnder Selbstständigkeit. Es ist eine nachvollziehbare Reaktion auf bisherige Trennungserfahrungen. Dieses Kind hat gelernt, dass Trennungen oft endgültig waren. Es weiß noch nicht, dass ihr zurückkommt.

Klar kommuniziert: Diese Reaktion ist kein Fehler im Erziehungsverhalten der Pflegeeltern — es ist die logische Folge einer Lebensgeschichte, die das Kind geprägt hat. Erzieherinnen und Erzieher, die das verstehen, werden anders reagieren als solche, die Trennungsschmerz als Drama abtun.

Das Bezugserzieherprinzip nutzen

Besteht bei der Wahl der Kita darauf, dass euer Kind eine feste Bezugserzieherin bekommt — eine Person, die in der Eingewöhnung immer präsent ist und zur zentralen Vertrauensperson in der Kita wird. Dieses Prinzip ist in modernen Krippen und Kindergärten weit verbreitet, aber nicht überall konsequent umgesetzt. Für Pflegekinder ist eine stabile, berechenbare Bezugsperson besonders wertvoll.

Übergangsobjekte und Rituale

Übergangsobjekte sind konkrete, greifbare Helfer bei der Trennung. Gebt eurem Kind ein vertrautes Kuscheltier, eine kleine Decke oder ein Foto von euch mit in die Kita — etwas, das nach euch riecht und euch symbolisch bei dem Kind lässt, auch wenn ihr nicht da seid. Verabschiedungsrituale sind ebenso wichtig: immer auf dieselbe Weise Abschied nehmen (kurz, klar, liebevoll), niemals heimlich verschwinden. Heimliches Verschwinden zerstört Vertrauen.

Anwesenheitszeiten behutsam steigern

Beginnt mit sehr kurzen Zeiten (30–60 Minuten), steigert langsam und richtet euch nach dem Kind, nicht nach einem Plan. An schlechten Tagen lieber einen Schritt zurückgehen.

Immer pünktlich abholen

Für Pflegekinder ist pünktliches Abholen keine Frage des Komforts — es ist eine Frage des Vertrauens. Jedes Mal, wenn ihr da seid wie versprochen, lernt das Kind: Sie kommen wirklich zurück.

Reaktionen zu Hause ernst nehmen

Wenn das Kind nachmittags besonders aufgewühlt, aggressiv oder klammernd ist, signalisiert es, dass die Kita-Zeit gerade seine Kapazitäten übersteigt. Reduziert das Pensum vorübergehend.

Mit der Erzieherin im Austausch bleiben

Regelmäßiges Feedback: Wie war der Tag? Was hat gut funktioniert? Was hat das Kind beschäftigt? Diese Rückmeldungen helfen euch, Signale zu verstehen und den Kita-Alltag anzupassen.

Tipp

Sucht eine Kita aus, die traumasensible Pädagogik kennt oder bereit ist, sich damit zu befassen. Eine Einrichtung, die Bindungstheorie versteht und individuelle Eingewöhnungszeiten ermöglicht, ist für euer Pflegekind deutlich geeigneter als eine, die strikt nach einem Sechs-Wochen-Standard vorgeht. Fragt beim Erstgespräch gezielt nach der Haltung der Kita zum Thema Bindung und Eingewöhnung.

Erzieher informieren — was dürfen sie wissen?

Vor dem ersten Kita-Tag steht unweigerlich das Gespräch mit der Erzieherin. Und mit ihm eine heikle Abwägung: Was teilt ihr mit — und was bleibt privat? Diese Frage hat keine einfache Antwort, aber eine klare Leitlinie: Datenschutz schützt das Kind, und ihr seid nicht verpflichtet, die Lebensgeschichte eures Pflegekindes offenzulegen.

Das kann die Erzieherin wissen

  • Allergien, Unverträglichkeiten, Medikamente
  • Bekannte Trigger (z.B. laute Geräusche, bestimmte Phrasen)
  • Verhaltensweisen, die Unterstützung brauchen
  • Was dem Kind bei Stress hilft (Rückzugsort, Kuscheltier)
  • Wer das Kind abholen darf (und wer nicht)
  • Kontaktdaten des Pflegekinderdiensts, falls nötig

Das müsst ihr nicht mitteilen

  • Grund der Inobhutnahme oder Herkunftsfamilien-Details
  • Diagnosen oder Gutachteninhalte vollständig
  • Informationen über laufende Gerichtsverfahren
  • Namen oder Aufenthalt der Herkunftseltern
  • Ob das Kind Opfer von Gewalt oder Vernachlässigung war

Die Faustregel für das Erziehergespräch

Stellt euch vor dem Gespräch eine einfache Frage: Was braucht die Erzieherin, um gut für unser Kind sorgen zu können? Das ist das richtige Maß. Nicht mehr, nicht weniger. Ein gut gewählter Satz kann Vieles transportieren, ohne Details preiszugeben: „Unser Kind hat eine schwierige Anfangszeit hinter sich und braucht besonders verlässliche Strukturen und eine beständige Bezugsperson."

Schweigepflicht der Erzieher

Erzieherinnen und Erzieher unterliegen einer beruflichen Verschwiegenheitspflicht. Das bedeutet: Was ihr ihnen mitteilt, darf nicht an andere Eltern, Geschwister oder Dritte weitergegeben werden. Trotzdem empfiehlt sich Vorsicht bei sensiblen Details — im Lehrerzimmer, Ruheraum oder beim Abholen entstehen informelle Gespräche, bei denen Informationen ungewollt weiterwandern können.

Wichtig

Klärt im Vorfeld mit dem Pflegekinderdienst, was an die Kita weitergegeben werden darf und soll. Oft gibt es eine informelle Absprache im Rahmen des Hilfeplans, die eure Position stärkt. Wenn die Kita Informationen verlangt, die ihr nicht preisgeben wollt, habt ihr das Recht, dies abzulehnen — und könnt auf das Datenschutzrecht verweisen.

Ausführlicher Ratgeber

Pflegekind und Herkunftsfamilie

Umgang mit Informationen, Kontakten und sensiblen Fragen rund um die Herkunftsfamilie.

Fragen anderer Eltern und Kinder

In der Kita begegnet ihr nicht nur dem pädagogischen Personal, sondern auch anderen Eltern — und deren Kindern. Neugierige Fragen sind unvermeidbar, und das ist auch gut so: Sie geben euch und eurem Pflegekind die Chance, einen eigenen, selbst gewählten Umgang mit der Situation zu entwickeln.

Typische Situationen und wie ihr damit umgeht

Situation

Kinder fragen: „Warum hast du zwei Mamas?"

Empfehlung

Einfache, ehrliche Antwort: „Paul wohnt bei uns, weil seine ersten Eltern nicht für ihn sorgen konnten." Kinder akzeptieren einfache Erklärungen oft sehr gut — sie suchen keine Vollständigkeit, sondern Orientierung.

Situation

Kinder fragen: „Warum heißt das Kind anders als du?"

Empfehlung

„Lea hat einen anderen Nachnamen als wir — das ist manchmal so." Mehr braucht es nicht. Wenn das Pflegekind selbst gefragt wird, bereitet es euch gemeinsam darauf vor, was es antworten möchte.

Situation

Eltern fragen: „Ist das euer leibliches Kind?"

Empfehlung

Ihr entscheidet, ob und was ihr sagt. Mögliche Antwort: „Wir sind Pflegeeltern." Oder: „Das ist eine private Sache." Ihr seid niemandem gegenüber erklärungspflichtig.

Situation

Das Kind selbst erzählt in der Gruppe von seiner Situation

Empfehlung

Das ist sein gutes Recht. Besprecht mit eurem Kind altersgerecht, was es erzählen möchte — nicht als Verbot, sondern als Stärkung seiner Selbstbestimmung: „Du darfst selbst entscheiden, was du über dich erzählst."

Das Kind einbeziehen — altersgerecht

Kinder ab etwa drei Jahren beginnen, ihre eigene Lebensgeschichte zu verstehen und Fragen zu stellen. Gebt eurem Pflegekind die Sprache und die Sicherheit, die es braucht, um mit neugierigen Fragen umzugehen. Rollenspiele zu Hause können helfen: „Was antwortest du, wenn dich jemand fragt, warum du bei uns wohnst?" Übt gemeinsam — entspannt und ohne Drama. Das Kind soll merken: Das ist nichts Schlimmes. Ich kann darüber sprechen, wenn ich will.

Gut zu wissen

Biografiearbeit beginnt nicht erst im Schulalter — sie beginnt mit den ersten Fragen, die ein Kind stellt. Bücher, die über Pflegefamilien, unterschiedliche Familienformen oder Adoption erzählen, können eine wertvolle Gesprächsgrundlage sein. Erkundigt euch im Pflegeeltern-Netzwerk oder beim Pflegekinderdienst nach geeigneten Titeln für das Alter eures Kindes.

Ausführlicher Ratgeber

Biografiearbeit mit Pflegekindern

Wie ihr eurem Kind helft, seine Lebensgeschichte zu verstehen und einen eigenen Umgang damit zu finden.

Besondere Herausforderungen in der Kita

Viele Pflegekinder zeigen in der Kita Verhaltensweisen, die das pädagogische Personal vor Herausforderungen stellen. Das liegt nicht an schlechter Erziehung oder fehlender Kompetenz der Pflegeeltern — es liegt an der Vorgeschichte des Kindes. Je besser Erzieherinnen und Erzieher das verstehen, desto hilfreicher können sie sein.

Aggressives Verhalten

Warum passiert das?

Aggression ist bei Pflegekindern häufig eine erlernte Überlebensstrategie. Das Kind hat gelernt: Wenn ich mich wehre, bin ich sicher. In der Kita-Gruppe kann das eskalieren, weil die unstrukturierten sozialen Interaktionen unbekannt und bedrohlich wirken können.

Was hilft?

Ruhiger Rückzugsraum als Option anbieten. Klare Ankündigung von Übergängen. Bezugserzieherin als Ankerpunkt. Bei Wiederholung: Integrationshilfe beantragen.

Rückzug und Kontaktvermeidung

Warum passiert das?

Schutzstrategie. Das Kind ist unsicher, ob es der Gruppe vertrauen kann. Rückzug war ein wirksames Mittel, um nicht aufzufallen und keine Enttäuschungen zu erleben.

Was hilft?

Nicht drängen, aber sanft einladen. Kleine Zweier-Aktivitäten statt großer Gruppenspiele. Bezugserzieherin als Brücke zu anderen Kindern nutzen.

Essen horten oder Essensangst

Warum passiert das?

Kinder mit Hungererfahrungen entwickeln oft ein besonderes Verhältnis zu Essen. Horten (Essen verstecken), Überessen oder panische Reaktionen bei ausbleibenden Mahlzeiten sind direkte Folgen von Nahrungsmangel in der Vergangenheit.

Was hilft?

Essen nie wegnehmen oder als Druck einsetzen. Snacks zur freien Verfügung stellen. Das Kind über Mahlzeiten informieren: 'In einer Stunde gibt es Mittagessen.' Verlässlichkeit reduziert die Angst.

Trennungsangst bei jedem Abschied

Warum passiert das?

Das Kind hat erlebt, dass Trennungen gefährlich sind oder dauerhaft sein können. Es weiß noch nicht sicher, dass die Pflegeeltern zurückkommen.

Was hilft?

Festes Abschiedsritual einhalten. Niemals heimlich gehen. Pünktliches Abholen. Mit der Erzieherin absprechen, wie sie das Kind direkt nach dem Abschied auffängt.

Anpassungsschwierigkeiten an Regeln

Warum passiert das?

Viele Pflegekinder sind Chaos und Unvorhersehbarkeit gewohnt — Regeln waren in ihrer Herkunftsfamilie oft willkürlich oder gar nicht vorhanden. Das macht es schwer, konsistente Gruppenregeln als fair und sinnvoll zu erleben.

Was hilft?

Regeln sehr klar, konkret und visuell kommunizieren (Bilder statt Worte für jüngere Kinder). Konsequent und liebevoll sein — nicht bestrafend. Zeit geben.

Anhänglichkeit gegenüber Fremden

Warum passiert das?

Manche Pflegekinder suchen bei jeder Erwachsenen Person Nähe und Aufmerksamkeit — auch bei Fremden. Das wirkt auf Außenstehende oft süß, ist aber ein Zeichen unsicherer Bindung: Das Kind hat gelernt, Aufmerksamkeit indifferent zu suchen.

Was hilft?

Erzieherin informieren, dass das Kind eine feste Bezugsperson braucht und wahllose Zuneigung gegenüber Fremden kein positives Zeichen ist. Die feste Bezugsperson stärken.

Traumasensible Pädagogik in der Kita

Traumasensible Pädagogik ist kein Spezialkonzept für Sondereinrichtungen — es ist eine Haltung, die jede Kita entwickeln kann und sollte. Sie bedeutet: Das Verhalten eines Kindes als Botschaft verstehen, nicht als Problem. Sicherheit, Verlässlichkeit und Beziehung als Grundlage aller Pädagogik begreifen. Und: keine schnellen Urteile über Kinder fällen, bevor man ihre Geschichte kennt.

Wenn die Kita eures Kindes Interesse zeigt, traumasensible Pädagogik weiterzuentwickeln, könnt ihr auf Fortbildungsangebote hinweisen — etwa von der Deutschen Liga für das Kind, dem Deutschen Jugendinstitut oder regionalen Fortbildungsträgern. Manchmal ist ein Gespräch mit dem Pflegekinderdienst der Impuls, der eine Kita bewegt, sich fachlich weiterzuentwickeln.

Tipp

Führt ein Informationsgespräch mit der Kitaleitung, bevor euer Kind startet. Erklärt allgemein (ohne Biografie-Details), dass Pflegekinder besondere Eingewöhnungsbedürfnisse haben, und fragt, wie die Kita damit umgeht. Die Qualität der Antworten verrät viel darüber, ob diese Kita der richtige Ort für euer Kind ist.

Ausführlicher Ratgeber

Verhaltensauffälligkeiten beim Pflegekind verstehen

Hintergründe, Ursachen und konkrete Strategien für den Umgang mit herausforderndem Verhalten.

Integrationshilfe in der Kita beantragen

Wenn euer Pflegekind eine Behinderung hat oder von einer Behinderung bedroht ist, habt ihr Anspruch auf einen Integrationsplatz mit zusätzlicher Fachkraft in der Kita. Diese Fachkraft — oft Integrationshelfer, Schulbegleitung oder Inklusionsassistenz genannt — begleitet euer Kind individuell im Gruppenalltag. Die Kosten werden vollständig durch die Eingliederungshilfe übernommen.

Rechtliche Grundlagen der Integrationshilfe

§ 35a SGB VIII
Seelische Behinderung (Jugendamt) — gilt bei drohender oder bestehender seelischer Behinderung, z.B. PTBS, schwere Bindungsstörung, Angststörungen, schweres ADHS mit Behinderungsgrad. Viele Pflegekinder mit Traumahintergrund fallen unter diese Regelung. Antrag beim Jugendamt.
§ 99 SGB IX
Körperliche oder geistige Behinderung (Sozialamt) — gilt z.B. bei FASD, Trisomie 21, schwerer Entwicklungsverzögerung neurologischer Ursache. Antrag beim Sozialamt bzw. Sozialhilfeträger.

Schritt für Schritt zum Integrationsplatz

1

Diagnostik einholen

Ihr braucht ein fachärztliches Gutachten oder eine Stellungnahme des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ), das die Diagnose dokumentiert und beschreibt, warum ein erhöhter Betreuungsbedarf in der Kita besteht. Kinderärzte können an das SPZ überweisen. Wartezeiten beachten: Frühzeitig beginnen!

2

Antrag stellen

Den Antrag auf Eingliederungshilfe stellt ihr schriftlich beim zuständigen Jugendamt (§ 35a SGB VIII) oder Sozialamt (§ 99 SGB IX). Als Pflegeeltern habt ihr das Antragsrecht. Legt das Gutachten bei und beschreibt konkret, warum euer Kind eine Integrationshilfe benötigt.

3

Kita-Stellungnahme anfordern

Die Kita muss eine Stellungnahme zum Förderbedarf abgeben. Klärt frühzeitig, ob die gewünschte Kita Integrationsplätze anbietet und bereit ist, eine solche Stellungnahme zu erstellen.

4

Bescheid abwarten und prüfen

Nach Antragstellung erhaltet ihr einen Bescheid. Bearbeitungszeiten variieren stark (vier Wochen bis mehrere Monate). Prüft den Bescheid sorgfältig: Wird der Umfang (Stunden pro Woche) eurem Kind gerecht? Bei Ablehnung: Widerspruch einlegen — dafür habt ihr einen Monat Zeit.

5

Integrationshelfer auswählen

In manchen Bundesländern könnt ihr den Integrationshelfer selbst auswählen (Wunsch- und Wahlrecht, § 8 SGB VIII). Manchmal vermittelt das Jugendamt. Eine gute Beziehung zwischen Kind und Helfer ist entscheidend — achtet auf Kontinuität.

Checkliste: Antrag auf Integrationshilfe

Fachärztliches Gutachten oder SPZ-Stellungnahme mit Diagnose
Schriftliche Stellungnahme der Kita zum Förderbedarf
Aktueller Hilfeplan des Jugendamts
Nachweis Pflegeverhältnis (Pflegeerlaubnis, Pflegegeld-Bescheid)
Formloser Antrag oder Antragsformular bei Jugendamt / Sozialamt
Kostenvoranschlag des Integrationshelfers (falls bereits bekannt)

Wichtig

Stellt den Antrag auf Integrationshilfe so früh wie möglich — idealerweise mehrere Monate vor dem geplanten Kita-Start. Die Bearbeitungszeiten können je nach Jugendamt und Region erheblich variieren. Wer zu spät beginnt, riskiert, dass die notwendige Unterstützung erst Monate nach dem Kita-Start bewilligt wird. Euer Pflegekinderdienst kann euch bei der Antragstellung begleiten und unterstützen.

Ausführlicher Ratgeber

Pflegekind mit Behinderung: Sonderpflege & Eingliederungshilfe

Erhöhtes Pflegegeld, Pflegegrad, Eingliederungshilfe und Schwerbehindertenausweis für Pflegeeltern erklärt.

Häufige Fragen — Pflegekind und Kita

Muss ich die Kita-Gebühren selbst zahlen?

In der Regel nein. Die Kita-Beiträge für Pflegekinder werden vom Jugendamt übernommen (§ 90 Abs. 3–4 SGB VIII). Pflegeeltern müssen einen Antrag auf Übernahme der Kostenbeiträge stellen. In einigen Bundesländern ist die Kita ohnehin beitragsfrei (z.B. Berlin, Rheinland-Pfalz ab bestimmtem Alter). Erkundigt euch beim Pflegekinderdienst eures Jugendamts, welche Regelung in eurem Bundesland gilt.

Wann sollte mein Pflegekind in die Kita?

Frühestens drei bis sechs Monate nach der Aufnahme in die Pflegefamilie. Das Kind braucht zunächst eine sichere Bindung zu seinen Pflegeeltern, bevor es eine weitere Trennung (täglich in der Kita) verarbeiten kann. Der individuelle Entwicklungsstand, die Vorgeschichte des Kindes und seine Signale sind entscheidend. Bei Bereitschaftspflegekindern oder sehr jungen Säuglingen entscheidet ein erfahrener Pflegekinderdienst mit.

Was sage ich der Erzieherin über die Vorgeschichte?

Nur das, was für die Betreuung direkt relevant ist: Allergien, Medikamente, besondere Bedürfnisse, bekannte Trigger (z.B. laute Geräusche, bestimmte Phrasen) und Verhaltensweisen, die die Erzieherin kennen sollte. Die vollständige Biografie des Kindes ist vertraulich. Eine gute Faustregel: Was braucht die Erzieherin, um gut für das Kind sorgen zu können? Das teilen — mehr nicht. Stimmt euch mit dem Pflegekinderdienst ab, was weitergegeben werden darf.

Mein Pflegekind wird in der Kita aggressiv — was tun?

Zunächst: Ursachen gemeinsam mit den Erziehern verstehen — Überforderung, Trennungsangst, Trigger in der Kita-Umgebung, unstrukturierte Zeiten. Dann: Gemeinsam Strategien entwickeln (ruhiger Rückzugsort, Bezugserzieherprinzip, kürzere Kita-Zeiten vorübergehend). Bei anhaltendem Verhalten: Integrationshilfe beantragen, Ergotherapie in Betracht ziehen, Beratung durch den Pflegekinderdienst einholen. Aggressives Verhalten bei Pflegekindern hat fast immer eine Ursache in der Vorgeschichte — es ist selten Bosheit.

Hat mein Pflegekind Anspruch auf einen Integrationsplatz?

Ja, wenn das Kind eine Behinderung hat oder von einer Behinderung bedroht ist. Der Antrag wird über die Eingliederungshilfe gestellt: bei seelischer Behinderung beim Jugendamt (§ 35a SGB VIII), bei körperlicher oder geistiger Behinderung beim Sozialamt (§ 99 SGB IX). Ein ärztliches Gutachten oder eine Stellungnahme des Sozialpädiatrischen Zentrums (SPZ) ist in der Regel erforderlich. Die Kosten für den Integrationsplatz werden vollständig übernommen. Beantrage so früh wie möglich — die Bearbeitungszeiten können mehrere Monate betragen.

Kita-Alltag dokumentiert und organisiert

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