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Praxis

Pflegekind und eigene Kinder
Geschwisterdynamik meistern

Ein Pflegekind in eine Familie mit leiblichen Kindern aufzunehmen ist eine der schönsten — und zugleich anspruchsvollsten — Entscheidungen, die Pflegeeltern treffen können. Dieser Ratgeber zeigt euch, wie ihr eure Kinder gut vorbereitet, Eifersucht und Konflikte meistert und eine echte Geschwisterbeziehung entstehen lasst.

9 Min. LesezeitAktualisiert: Februar 2026

Eigene Kinder einbeziehen — Vorbereitung vor der Aufnahme

Die Entscheidung, ein Pflegekind aufzunehmen, betrifft die gesamte Familie — nicht nur euch als Eltern. Eure leiblichen Kinder werden einen neuen Menschen in ihrem Zuhause willkommen heißen müssen, ihre Ressourcen teilen und sich auf veränderte Familienstrukturen einlassen. Je besser ihr sie vorbereitet, desto sanfter verläuft der Übergang.

Beginnt das Gespräch frühzeitig — idealerweise mehrere Wochen vor der Aufnahme — und kehrt immer wieder dazu zurück. Kinder verarbeiten neue Informationen schrittweise, nicht in einem einzigen langen Gespräch.

Altersgerechte Aufklärung

Erklärt, warum manche Kinder nicht bei ihren Eltern leben können — ehrlich, aber kindgerecht. Für Kleinkinder reicht oft: “Manche Familien brauchen Hilfe, und wir helfen gerne.” Grundschulkinder verstehen bereits, dass es traurige Gründe gibt, ohne alle Details zu kennen. Jugendliche können Konzepte wie Kindeswohl und familiäre Krisen besser einordnen.

Erwartungen klären

Sprecht offen darüber, was sich verändern wird: Das Zimmer des Pflegekindes, neue Routinen, geteilte Spielsachen, veränderte Aufmerksamkeit der Eltern. Überraschungen sorgen für Frust — Vorbereitung schafft Vertrauen.

Ängste und Bedenken ernst nehmen

“Was ist, wenn ich weniger Aufmerksamkeit bekomme?” oder “Muss ich mein Zimmer teilen?” sind berechtigte Fragen. Nehmt sie ernst, ohne sie wegzureden. Klare Antworten geben mehr Sicherheit als beruhigende Phrasen.

Eigene Kinder aktiv einbeziehen

Lasst sie beim Einrichten des Kinderzimmers helfen oder überlegen, welches Spielzeug sie vielleicht teilen möchten. Wer aktiv beiträgt, fühlt sich weniger wie ein passiver Betroffener und mehr wie ein wichtiger Teil der Entscheidung.

Mitbestimmungsrecht altersgemäß gestalten

Kinder sollten gehört werden, aber die Verantwortung liegt bei euch als Eltern. Ein 7-Jähriger, der “nein” sagt, weil er Angst vor Veränderung hat, sollte nicht das Aufnahmeverfahren stoppen — wohl aber sollten seine Bedenken ausführlich besprochen werden.

Tipp

Kinderbücher über Pflegefamilien können helfen, das Thema zugänglicher zu machen — besonders für Grundschulkinder. Fragt auch beim Pflegekinderdienst nach Materialien, die speziell für Geschwisterkinder von Pflegekindern entwickelt wurden.

Ausführlicher Ratgeber

Voraussetzungen für Pflegeeltern: Was wird erwartet?

Alter, Wohnraum, Führungszeugnis, persönliche Eignung — alle Anforderungen verständlich erklärt.

Die ersten Wochen — wenn die Realität auf die Erwartung trifft

Die ersten Wochen nach der Aufnahme sind für alle Familienmitglieder eine intensive Zeit. Selbst wenn die Vorbereitung gut war, werden eure eigenen Kinder merken, dass sich der Alltag verändert hat — und das kann herausfordern.

Aufmerksamkeit bewusst verteilen

Pflegekinder brauchen in der Eingewöhnungsphase oft besonders viel Zuwendung, weil alles neu und manchmal überwältigend ist. Das kann dazu führen, dass eigene Kinder das Gefühl bekommen, zu kurz zu kommen. Dieses Gefühl ist real — auch wenn es nicht der Absicht der Eltern entspricht.

Eifersucht als normale Reaktion

Eifersucht ist kein Zeichen von Schwäche oder Herzlosigkeit — sie ist ein natürliches Gefühl, wenn sich etwas verändert. Labelt das Gefühl: 'Ich verstehe, dass du eifersüchtig bist. Das ist normal.' Kinder, die ihre Gefühle benennen dürfen, regulieren sich schneller.

Exklusivzeit für jedes Kind

Plant bewusst Zeit ein, die ihr ausschließlich mit eurem eigenen Kind verbringt — auch wenn es nur 20 Minuten täglich sind. Diese 'Eltern gehören mir'-Momente signalisieren: 'Du bist mir genauso wichtig wie vorher.'

Rituale beibehalten

Die Gute-Nacht-Geschichte, das Wochenendfrühstück, der gemeinsame Spieleabend — diese Rituale geben eigenen Kindern Stabilität und Kontinuität. Versucht, gewohnte Routinen trotz der neuen Situation aufrechtzuerhalten.

Offene Gesprächsangebote

Fragt regelmäßig nach — nicht nur einmal, wenn das Pflegekind eingezogen ist. 'Wie geht es dir mit der neuen Situation? Was fällt dir schwer? Was läuft gut?' zeigt, dass ihr zuhört.

Wichtig

Versucht nicht, die Situation schönzureden. Wenn ihr euren Kindern sagt, dass alles genauso bleibt wie vorher, verlieren sie das Vertrauen in euch, sobald sie merken, dass das nicht stimmt. Ehrlichkeit — auch über Unsicherheiten — stärkt die Beziehung langfristig mehr.

Ausführlicher Ratgeber

Eingewöhnung Pflegekind: Die ersten Wochen meistern

Was in der Eingewöhnungsphase normal ist und wie ihr das Pflegekind behutsam integriert.

Typische Herausforderungen im Familienalltag

Selbst in Familien, die sich gut vorbereitet haben, tauchen bestimmte Konflikte immer wieder auf. Das ist kein Zeichen des Scheiterns — es ist normaler Familienlärm, der in Pflegefamilien manchmal eine besondere Dynamik bekommt.

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„Warum darf der mehr als ich?"

Pflegekinder haben oft andere Regeln, weil sie andere Bedürfnisse haben. Für eigene Kinder wirkt das manchmal ungerecht. Erklärt das Prinzip der individuellen Gerechtigkeit: 'Jeder bekommt, was er braucht — das ist fair, auch wenn es nicht gleich ist.' Das ist eine wichtige Lebenserkenntnis, die weit über die Pflegefamiliensituation hinausgeht.

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Konflikte und Streitigkeiten

Geschwisterkonflikte sind universal — in Pflegefamilien kommen aber manchmal erschwerend hinzu: Das Pflegekind kennt möglicherweise keine konstruktiven Konfliktlösungsstrategien oder reagiert auf Stress mit erlernten Überlebensmechanismen (Schlagen, Schreien, Rückzug). Setzt klare Grenzen für alle, ohne das Pflegekind zu stigmatisieren.

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Unterschiedliche Regeln und Erwartungen

Ein Pflegekind, das aus einem chaotischen Haushalt kommt, braucht möglicherweise klare Strukturen, während eigene Kinder schon mehr Freiheiten gewohnt sind. Das Nebeneinander verschiedener Entwicklungsstände erfordert von euch viel Sensibilität und Erklärungsbereitschaft.

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Schamgefühle in der Schule und im Freundeskreis

Eigene Kinder — besonders Jugendliche — schämen sich manchmal für das auffällige Verhalten eines Pflegekindes in der Öffentlichkeit, oder sie möchten Freunden nicht erklären, was ein Pflegekind ist. Nehmt das ernst. Übt mit ihnen, wie sie die Situation erklären können, wenn sie möchten — ohne Details preiszugeben.

Tipp

Etabliert regelmäßige Familiengespräche, in denen alle Kinder Raum haben, Dinge anzusprechen. Schon eine halbe Stunde pro Woche, in der alle erzählen dürfen, was gut lief und was schwierig war, kann die Kommunikation im Familienalltag deutlich verbessern.

Altersunterschiede bewusst einplanen

Ob das Pflegekind älter, jünger oder gleichaltrig wie eure eigenen Kinder ist, hat großen Einfluss auf die Familiendynamik. Es lohnt sich, diese Konstellationen vor der Aufnahme bewusst zu reflektieren.

APflegekind jünger als eigene Kinder

Diese Konstellation ist oft am unproblematischsten. Eigene Kinder können eine beschützende Rolle übernehmen, was ihr Selbstwertgefühl stärkt. Das Pflegekind ordnet sich in eine bestehende Hierarchie ein, ohne sie grundlegend infrage zu stellen.

Achtet darauf: Eigene Kinder übernehmen manchmal zu viel Verantwortung oder entwickeln ein übertriebenes Fürsorge-Verhalten. Sie sind Geschwister — keine Co-Eltern.

BPflegekind älter als eigene Kinder

Kann herausfordernd sein, weil Autorität und Hierarchie neu ausgehandelt werden müssen. Ein älteres Pflegekind hat möglicherweise andere Freiheiten und Privilegien, was eigene Kinder als ungerecht erleben können.

Achtet darauf: Klärt Rollenverteilung und Regeln klar. Das Pflegekind ist nicht der “große Bruder/die große Schwester” mit Aufsichtspflicht — diese Verantwortung liegt immer bei euch.

CPflegekind gleichaltrig

Gleichaltrige Kinder teilen Interessen und können schnell Freundschaften entwickeln — aber sie stehen auch in direkter Konkurrenz um Aufmerksamkeit, Ressourcen und Zuneigung der Eltern. Rivalität ist hier am häufigsten.

Achtet darauf: Vermeidet Vergleiche. Jedes Kind hat seine eigenen Stärken — hebt diese individuell hervor, statt Kinder gegeneinander abzuwägen.

Gut zu wissen

Viele Fachleute empfehlen, das Pflegekind nicht als ältestes Kind in die Familie einzugliedern, wenn möglich. Der Grund: Entwicklungsverzögerungen beim Pflegekind können die Hierarchie durcheinanderbringen und zu Frustration auf allen Seiten führen.

Eigene Kinder schützen — Grenzen setzen und erkennen

Eine Frage, die viele Pflegeeltern beschäftigt: Wie schütze ich meine eigenen Kinder, ohne dem Pflegekind gegenüber ungerecht zu sein? Die Antwort liegt in klaren Grenzen — für alle.

Pflegekinder, die Traumata erlebt haben, zeigen manchmal Verhaltensweisen, die für andere Kinder schwer zu verstehen oder belastend sind. Das ist keine böse Absicht — aber es bedeutet nicht, dass eure eigenen Kinder diese Belastungen kommentarlos tragen müssen.

Übergriffiges Verhalten sofort ansprechen

Schlagen, Beißen, emotionale Manipulation oder gezieltes Ärgern müssen klar und konsequent als inakzeptabel benannt werden — unabhängig davon, welchen Hintergrund das Pflegekind hat. Eure eigenen Kinder müssen wissen: Ihre körperliche und emotionale Unversehrtheit hat Priorität.

Sexualisiertes Verhalten erkennen und handeln

Pflegekinder, die sexuelle Gewalt erlebt haben, können sexualisiertes Verhalten zeigen, das andere Kinder gefährdet. Wenn ihr solches Verhalten wahrnehmt, wendet euch sofort an den zuständigen Fachdienst. Das ist kein Verrat am Pflegekind — es ist eure Schutzpflicht gegenüber allen Kindern in eurem Haushalt.

Wenn eine Aufnahme nicht passt

In seltenen Fällen kann das Wohl der eigenen Kinder erfordern, dass eine Pflegeplatzierung beendet wird. Das ist keine Niederlage — es ist eine verantwortungsvolle Entscheidung. Sprecht frühzeitig mit dem Jugendamt, wenn ihr Zeichen erkennt, dass die Situation für eure eigenen Kinder dauerhaft belastend ist.

Wichtig

Eigene Kinder sollten niemals das Gefühl haben, ihre eigene Belastung verschweigen zu müssen, um das Pflegekind zu “schützen”. Macht ihnen klar: Sie dürfen immer zu euch kommen. Ihre Gefühle und Grenzen sind genauso wichtig wie die des Pflegekindes.

Ausführlicher Ratgeber

Selbstfürsorge für Pflegeeltern

Warum eure eigene Gesundheit die Basis für gute Pflege ist — und wie ihr euch nachhaltig um euch selbst kümmert.

Geschwisterbeziehung aktiv fördern

Echte Geschwisterbeziehungen entstehen nicht automatisch — sie wachsen durch gemeinsame Erlebnisse, Konflikte, die gelöst werden, und Momente, in denen Kinder füreinander da sind. Als Eltern könnt ihr diesen Prozess unterstützen, aber nicht erzwingen.

Gemeinsame Aktivitäten

Plant Aktivitäten, die alle Kinder mögen und bei denen niemand einen Vorteil hat: Brettspiele, Ausflüge, Kochen, Sport. Geteilte positive Erlebnisse schaffen Verbindung.

Individuelle Stärken sichtbar machen

Jedes Kind hat etwas, das es besonders gut kann. Macht diese Stärken sichtbar — ohne Vergleiche. 'Du erklärst Dinge so gut' ist schöner als 'Du bist besser in Mathe als...'

Fairness, nicht Gleichheit

Fairness bedeutet, dass jeder bekommt, was er braucht — nicht dass alle dasselbe bekommen. Erklärt das Prinzip wiederholt und lebt es vor. Kinder verstehen es, wenn es konsequent gelebt wird.

Positive Erlebnisse festhalten

Fotos, ein Familien-Tagebuch oder ein gemeinsames Projekt helfen, positive Erinnerungen zu verankern. Diese geteilten Geschichten werden Teil der Familienidentität.

Drängt Kinder nie dazu, das Pflegekind wie einen Bruder oder eine Schwester zu bezeichnen oder zu behandeln, wenn sie sich so nicht fühlen. Beziehungen brauchen Zeit. Manchmal wird aus einem Pflegekind tatsächlich ein Geschwisterkind im Herzen — manchmal bleibt es ein “Mitbewohner, den ich mag”. Beides ist in Ordnung.

Tipp

Lobt eigene Kinder ausdrücklich, wenn sie geduldig, großzügig oder fürsorglich sind. Positive Verstärkung motiviert weit mehr als Kritik. “Ich habe gesehen, wie du ihm heute geholfen hast — das war wirklich toll” hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Wenn es schwierig wird — Hilfe annehmen und Grenzen kennen

Es gibt Phasen, in denen trotz aller Mühe das Miteinander kaum funktioniert. Das ist keine Schwäche — es ist der Moment, in dem professionelle Unterstützung den Unterschied macht.

Gesprächsangebote für eigene Kinder

Manchmal reden Kinder lieber mit jemandem, der nicht direkt betroffen ist. Eine Erziehungsberatungsstelle, Schulpsychologinnen oder Kinderpsychologinnen bieten neutrale Räume, in denen eigene Kinder ihre Gefühle frei äußern können. Das entlastet auch euch als Eltern, weil ihr nicht für alles zuständig sein müsst.

Familiengespräche strukturieren

Wenn Konflikte eskalieren, können moderierte Familiengespräche mit einer Fachkraft helfen, festgefahrene Muster aufzubrechen. Viele Pflegekinderdienste bieten solche Unterstützung an oder vermitteln geeignete Stellen.

Grenzen der Belastbarkeit anerkennen

Wenn eigene Kinder dauerhaft unter der Situation leiden — Schulleistungen sinken, Freundschaften zerbrechen, Angst oder Rückzug entstehen — dann ist das ein klares Signal. Sprecht offen mit dem Jugendamt. Eine Veränderung der Pflegesituation ist kein Versagen, sondern manchmal die fürsorglichste Entscheidung für alle Beteiligten.

Zeichen, dass eure eigenen Kinder Unterstützung brauchen

  • Anhaltende Schlafprobleme oder Albträume
  • Schulleistungen, die deutlich nachlassen
  • Sozialer Rückzug — weniger Freunde, weniger Aktivitäten
  • Aggressionen oder starke Stimmungsschwankungen
  • Körperliche Beschwerden ohne klare Ursache (Bauchschmerzen, Kopfschmerzen)
  • Aussagen wie 'Ich wünschte, das Pflegekind wäre nie gekommen'
  • Deutliche Regression (Einnässen, Daumenlutschen bei älteren Kindern)

Wichtig

Ihr müsst nicht warten, bis die Situation eskaliert. Holt euch frühzeitig Unterstützung — eine Familienberatung ist keine Katastrophenmeldung, sondern ein Zeichen von Stärke und Weitsicht. Die meisten Pflegekinderdienste haben Beratungsangebote, die genau für solche Situationen da sind.

Ausführlicher Ratgeber

Pflegeeltern werden: Der komplette Leitfaden

Voraussetzungen, Bewerbung, Ablauf, Pflegegeld — Schritt für Schritt erklärt.

Häufige Fragen zu Pflegekind und eigenen Kindern

In welchem Alter sollten eigene Kinder bei der Aufnahme eines Pflegekindes sein?

Es gibt kein ideales Alter — jede Entwicklungsphase bringt eigene Chancen und Herausforderungen mit sich. Kleinkinder bis etwa 3 Jahre integrieren neue Geschwister oft unkompliziert, weil sie noch kein ausgeprägtes Territorialdenken haben. Grundschulkinder (6–10 Jahre) verstehen die Situation kognitiv gut und können aktiv einbezogen werden. Jugendliche hingegen reagieren manchmal empfindlicher auf Veränderungen in der Familienstruktur und brauchen mehr Raum für eigene Gefühle. Entscheidend ist nicht das Alter, sondern wie transparent und einfühlsam ihr die Aufnahme vorbereitet.

Wie bereite ich meine Kinder auf ein Pflegekind vor?

Beginnt früh und altersgerecht mit dem Gespräch — noch bevor das Pflegekind einzieht. Erklärt, warum manche Kinder nicht bei ihren Eltern leben können, ohne zu viele Details preiszugeben. Hört zu, welche Bedenken und Wünsche eure Kinder haben, und nehmt diese ernst. Bezieht sie in konkrete Vorbereitungen ein: Zimmer einrichten, Namen überlegen, Regeln besprechen. Macht klar, dass ihre Stellung in der Familie nicht kleiner wird und ihr immer Zeit für sie habt. Rollenspiele und Kinderbücher über Pflegefamilien können helfen, die Situation greifbarer zu machen.

Was tun, wenn mein eigenes Kind das Pflegekind ablehnt?

Ablehnung ist eine normale Reaktion und kein Zeichen von Herzlosigkeit. Validiert zunächst die Gefühle eures Kindes, ohne sie wegzureden: 'Ich verstehe, dass du dir das anders vorgestellt hast.' Schafft regelmäßige Einzelzeit, damit sich euer Kind nicht verdrängt fühlt. Erzwingt keine Freundschaft — echte Beziehungen entstehen durch gemeinsame Erlebnisse, nicht durch Druck. Wenn die Ablehnung anhält oder sich in Feindseligkeit verwandelt, holt euch Unterstützung durch eine Familienberatung oder Kindertherapie. In sehr seltenen Fällen kann es sinnvoll sein, die Aufnahme gemeinsam mit dem Jugendamt zu überdenken.

Dürfen eigene Kinder bei der Entscheidung mitbestimmen?

Ja — und das ist auch pädagogisch sinnvoll. Eigene Kinder sollten altersgemäß in die Entscheidung einbezogen werden, aber das endgültige Veto liegt bei den Eltern. Ab etwa 8 Jahren können Kinder gut verstehen, was es bedeutet, ein Pflegekind aufzunehmen, und ihre Meinung klar äußern. Zeigt, dass ihr zuhört und ihre Bedenken ernst nehmt. Ein 'Nein' eines 10-Jährigen muss nicht automatisch bedeuten, dass keine Aufnahme stattfindet — aber es sollte ausführlich besprochen werden. Jugendliche (ab ca. 14 Jahren) haben ein stärkeres Mitspracherecht, weil sie unmittelbar betroffen sind.

Ist es besser, wenn das Pflegekind jünger oder älter als die eigenen Kinder ist?

Beide Konstellationen haben Vor- und Nachteile. Ein jüngeres Pflegekind wird oft leichter in bestehende Familienroutinen integriert und stellt die Hierarchie seltener infrage. Eigene Kinder können eine beschützende Rolle übernehmen, was das Selbstwertgefühl stärkt. Ein älteres Pflegekind kann eigene Kinder herausfordern, weil Autoritätsfragen entstehen — bringt aber auch Reife, Unabhängigkeit und oft interessante Perspektiven mit. Gleichaltrige Pflegekinder sind manchmal die schwierigste Konstellation wegen Rivalität. Empfehlenswert ist ein Altersabstand von mindestens 2 Jahren und das Pflegekind nicht als ältestes Kind in die Familie einzugliedern.

Gemeinsam den Alltag meistern

Auf Pflegeeltern.Space findet ihr Tools, Ratgeber und eine Community, die versteht, womit ihr es täglich zu tun habt — auch wenn es um die eigenen Kinder geht.

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