Pflegekinder und digitale Medien
Bildschirmzeit, Identitätsschutz & Online-Sicherheit
Smartphones, Tablets und soziale Medien gehören heute zum Alltag jedes Kindes. Für Pflegekinder gelten dabei besondere Regeln und Risiken: von Fotos in sozialen Medien über unkontrollierten Kontakt zur Herkunftsfamilie bis hin zu erhöhter Anfälligkeit für exzessiven Medienkonsum bei FASD oder ADHS. Dieser Ratgeber erklärt, was Pflegeeltern wissen und beachten müssen.
Besondere Herausforderungen bei Pflegekindern
Digitale Medien stellen alle Eltern vor Herausforderungen — doch für Pflegeeltern kommen spezifische Risiken hinzu, die in keinem allgemeinen Elternratgeber stehen. Das Pflegeverhältnis bringt rechtliche, emotionale und sicherheitsrelevante Besonderheiten mit sich, die den Umgang mit Smartphones, Tablets und sozialen Medien grundlegend verändern.
Der vielleicht wichtigste Punkt: Ein Foto des Pflegekindes, das öffentlich auf Instagram oder Facebook landet, kann die Herkunftsfamilie auf den Aufenthaltsort des Kindes aufmerksam machen. In Fällen, in denen das Kind aus Schutzgründen untergebracht wurde — etwa bei Kindesmisshandlung oder häuslicher Gewalt — kann das unmittelbare Gefahr bedeuten.
Identitätsschutz durch Fotos gefährdet
Fotos des Pflegekindes in sozialen Medien sind in aller Regel problematisch. Die Herkunftsfamilie könnte das Kind über öffentliche Profile aufspüren. Zudem ist der Datenschutz von Kindern (Art. 8 DSGVO) besonders stark geschützt. Viele Jugendämter untersagen Pflegeeltern ausdrücklich, Fotos des Kindes online zu veröffentlichen.
Cybermobbing wegen der „anderen“ Familie
Kinder, die in Pflegefamilien aufwachsen, sind in der Schule und im sozialen Umfeld manchmal Hänseleien ausgesetzt. In sozialen Medien kann sich dieses Cybermobbing potenzieren — mit gravierenden Folgen für das Selbstbild und die emotionale Stabilität des Kindes.
Unkontrollierter Kontakt zur Herkunftsfamilie
WhatsApp, Instagram, TikTok und Gaming-Plattformen ermöglichen es der Herkunftsfamilie, auf direktem Weg Kontakt zum Kind aufzunehmen — auch dann, wenn das Jugendamt den Kontakt geregelt oder eingeschränkt hat. Dieser unkontrollierte Kontakt kann das Kind emotional destabilisieren.
FASD und ADHS: erhöhte Gefährdung durch Medienkonsum
Kinder mit Fetaler Alkoholspektrumstörung (FASD) oder ADHS sind besonders anfällig für exzessiven Medienkonsum. Die schnellen Reize von Bildschirmspielen und Videos überlasten das ohnehin sensible Nervensystem und können Verhaltensauffälligkeiten, Schlafstörungen und Reizüberflutung verschlimmern.
Gut zu wissen
Altersgerechte Bildschirmzeiten — Empfehlungen und Realität
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben klare Empfehlungen für tägliche Bildschirmzeiten entwickelt. Diese gelten als Orientierungswerte — bei Pflegekindern mit Trauma, FASD oder ADHS empfehlen Fachleute häufig noch restriktivere Grenzen.
BZgA/WHO-Empfehlungen für Bildschirmzeiten
In diesem Alter ist direkte menschliche Interaktion für die Gehirnentwicklung unersetzlich. Bildschirme können die Sprachentwicklung verlangsamen.
Nur gemeinsam mit Erwachsenen, ausgesuchte, altersgerechte Inhalte. Kein Konsum kurz vor dem Schlafen.
Klare Regeln und feste Zeiten einführen. Eltern begleiten die Mediennutzung aktiv.
Gemeinsame Regeln aushandeln. Auf Inhalte achten — erste Social-Media-Kontakte können entstehen.
Jugendliche brauchen mehr Autonomie, aber weiterhin Orientierung. Medienvertrag als gemeinsame Basis.
Wichtig
Praktische Umsetzung im Pflegealltag
Ausführlicher Ratgeber
FASD beim Pflegekind
Fetale Alkoholspektrumstörung: Symptome erkennen, Alltag gestalten, Unterstützung finden.
Fotos und soziale Medien — Identitätsschutz ist Pflicht
Eines der wichtigsten und oft unterschätzten Themen im Pflegealltag: das Veröffentlichen von Fotos des Pflegekindes. Was in normalen Familien selbstverständlich erscheint — ein Geburtstagsbild auf Instagram, ein Klassenfoto auf Facebook — kann im Pflegeverhältnis schwerwiegende Konsequenzen haben.
Die Rechtslage — das müssen Pflegeeltern wissen
§ 22 KUG — Recht am eigenen Bild
Bildnisse einer Person dürfen nur mit deren Einwilligung verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Bei Kindern unter 14 Jahren entscheiden die Sorgerechtsinhaber — das sind in der Regel die leiblichen Eltern, nicht die Pflegeeltern.
Art. 8 DSGVO — Kinder und Datenschutz
Die DSGVO schützt Kinder besonders. Das Veröffentlichen von Fotos eines Kindes in sozialen Medien ist eine Datenverarbeitung, die einer rechtmäßigen Grundlage bedarf. Pflegeeltern verfügen in der Regel nicht über die notwendige Einwilligung.
§ 1688 BGB — Alltagssorge der Pflegeeltern
Pflegeeltern haben das Recht zur Alltagssorge. Das Veröffentlichen von Fotos in sozialen Medien gilt jedoch ausdrücklich NICHT als alltägliche Angelegenheit — es bedarf der Zustimmung der Sorgerechtsinhaber oder des Gerichts.
Risiken durch Foto-Veröffentlichung
- Herkunftsfamilie findet das Kind über Fotos und Geotagging
- Missbrauch der Fotos durch Dritte
- Verletzung der Privatsphäre und Würde des Kindes
- Mögliche rechtliche Konsequenzen für Pflegeeltern
- Vertrauensverlust beim Kind, wenn es davon erfährt
Sichere Alternativen
- Geschlossene Familiengruppen (Signal, WhatsApp) statt öffentliche Profile
- Fotos ohne erkennbares Gesicht des Kindes teilen
- Kein Geotagging und keine Standortangaben
- Fotos lokal speichern statt in Cloud-Diensten
- Schulfoto-Zustimmungsformulare sorgfältig prüfen
Tipp
Kontakt zur Herkunftsfamilie über digitale Medien
Einer der sensibelsten Aspekte im digitalen Alltag von Pflegekindern ist der Kontakt zur Herkunftsfamilie über soziale Medien. Während frühere Generationen von Pflegekindern durch räumliche Distanz geschützt waren, ist heute für jedes Kind mit Smartphone ein direkter Kanal zur Herkunftsfamilie jederzeit verfügbar.
Unkontrollierter Kontakt über WhatsApp, Instagram oder TikTok kann das Kind emotional belasten: Manipulation, Loyalitätskonflikte, Versprechungen, die nicht gehalten werden, oder emotionale Übergriffigkeit der Herkunftsfamilie können die mühsam aufgebaute Stabilität in der Pflegefamilie gefährden.
Was durch unkontrollierten digitalen Kontakt entstehen kann
Emotionale Destabilisierung
Ein WhatsApp-Gespräch mit einer Mutter, die das Kind noch immer idealisiert, oder ein Instagram-Video des Vaters, der das Kind vermisst, kann Stunden später zu Wutausbrüchen, Schlafproblemen oder Regressionsverhaltens führen — scheinbar ohne erkennbaren Auslöser.
Loyalitätskonflikte
Die Herkunftsfamilie kann über digitale Kanäle Druck ausüben: „Warum schreibst du mir nicht?“ oder „Du liebst uns nicht mehr.“ Das Kind gerät in einen Konflikt zwischen der Loyalität zur Pflegefamilie und dem Gefühl, die leiblichen Eltern zu verletzen.
Informationsübermittlung
Kinder teilen online oft unbewusst Informationen: Fotos vom Zuhause, Schulname, Wohnort. Das gefährdet den Schutz, den das Pflegeverhältnis dem Kind bieten soll.
Manipulation und Abwerbungsversuche
In seltenen, aber ernsthaften Fällen versucht die Herkunftsfamilie, über soziale Medien eine Rückkehr des Kindes zu initiieren oder das Kind gegen die Pflegeeltern aufzubringen.
So gehen Pflegeeltern konstruktiv vor
Altersgerechte Gespräche führen
Klärt das Kind seinem Entwicklungsstand entsprechend auf, warum es bestimmte Regeln für digitale Kontakte gibt. Kein Schweigen, keine Verbote ohne Erklärung — das erzeugt Gegendruck. Statt „Du darfst das nicht“ lieber: „Wir wollen sicherstellen, dass dir dieses Gespräch nicht schadet.“
Kontaktregeln im Hilfeplan festlegen
Digitaler Kontakt zur Herkunftsfamilie gehört in den Hilfeplan. Klärt mit dem Jugendamt: Welche Kontaktformen sind erlaubt? Gibt es Einschränkungen? Wer begleitet digitale Kontakte bei jüngeren Kindern? Diese Klarheit schützt alle Beteiligten.
Bei jüngeren Kindern: Geräte kontrollieren
Jüngere Pflegekinder sollten keine unbeaufsichtigten Kommunikations-Apps haben. Google Family Link (Android) und Apple Screen Time (iOS) ermöglichen es Pflegeeltern, den App-Zugang zu steuern und Kommunikations-Apps zu sperren oder zu überwachen.
Bei älteren Kindern: Vertrauen aufbauen
Jugendliche werden trotz aller Regeln Wege finden, Kontakt aufzunehmen — das ist normal. Statt Totalüberwachung ist eine offene Beziehung, in der das Kind über seine Erlebnisse reden kann, langfristig wirksamer. Teilt eure Sorgen ehrlich mit.
Jugendamt einbeziehen bei Problemen
Wenn die Herkunftsfamilie über soziale Medien Druck ausübt, das Kind manipuliert oder die vereinbarten Kontaktregelungen umgeht, informiert sofort den Pflegekinderdienst. Das ist kein Verrat am Kind — es ist Schutz.
Ausführlicher Ratgeber
Pflegekind und Herkunftsfamilie
Umgangskontakte gestalten, Loyalitätskonflikte verstehen, Zusammenarbeit mit dem Jugendamt.
Online-Sicherheit und Cybermobbing
Pflegekinder sind online denselben Risiken ausgesetzt wie alle anderen Kinder — in mancher Hinsicht sogar stärker. Die oft schwierige Lebensgeschichte, ein möglicherweise geringes Selbstwertgefühl und die besondere Familiensituation können sie anfälliger machen für Cybermobbing, Cybergrooming und problematische Online-Beziehungen.
Kinderschutzfilter und technische Hilfsmittel
- Google Family Link (Android): App-Zugang, Bildschirmzeit, Standort
- Apple Screen Time (iOS): Inhaltsfilter, App-Limits, Kommunikationsregeln
- Jugendschutzfilter des Internetanbieters (z.B. Telekom Kinderschutz)
- Router-basierte Filter (FritzBox Kindersicherung)
- Browser-Kinderschutzmodus (SafeSearch aktivieren)
Grundregeln für sichere Nutzung
- Starke, einzigartige Passwörter für jedes Konto
- Privatsphäre-Einstellungen auf maximal stellen
- Keine persönlichen Daten (Name, Adresse, Schule) teilen
- Nur Personen als Freunde akzeptieren, die man kennt
- Kamera-App: Geotagging deaktivieren
Cybergrooming erkennen und richtig reagieren
Cybergrooming bezeichnet die gezielte Kontaktaufnahme Erwachsener mit Minderjährigen im Internet mit dem Ziel sexueller Übergriffe. Es ist in Deutschland nach § 176b StGB strafbar. Pflegekinder mit Vernachlässigungsgeschichte und Sehnsucht nach Zuwendung sind besonders gefährdet.
Bei Verdacht sofort handeln:
Beruhigt das Kind und sichert Beweise (Screenshots). Erstattet Anzeige bei der Polizei — die Tat ist verfolgbar. Nummer gegen Kummer: 116 111 (kostenlos, anonym, Mo–Sa 14–20 Uhr). Informiert den Pflegekinderdienst.
Cybermobbing erkennen und darauf reagieren
Pflegekinder berichten online manchmal weniger offen über ihre Situation — und sind deshalb anfällig für Hänseleien über ihre „andere“ Familie. Cybermobbing kann auch außerhalb der Schule fortgesetzt werden und ist schwerer zu entdecken als direktes Mobbing.
Anzeichen erkennen
- Kind wirkt nach Handynutzung belastet oder verschlossen
- Plötzliche Abneigung gegen Schule oder bestimmte Gruppen
- Handy wird versteckt oder abgeschaltet wenn Erwachsene näherkommen
- Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Rückzug
So reagiert ihr richtig
- Ruhig bleiben — keine Panik, keine sofortige Bestrafung
- Kind ernst nehmen und zuhören ohne Vorwürfe
- Schule und Pflegekinderdienst informieren
- Beweise sichern (Screenshots) ohne das Kind zu zwingen
Tipp
Gaming, Streaming & Co. — Regeln für den Alltag
Computerspiele und Streaming-Dienste sind fester Bestandteil der Kindheit und Jugend. Für Pflegekinder können sie Entspannung, Freude und soziale Verbindung bedeuten — aber auch Rückzugsort, Flucht und Suchtpotenzial. Ein strukturierter, gemeinsam erarbeiteter Rahmen hilft allen.
Gemeinsam einen Medienvertrag aufstellen
Ein Medienvertrag ist eine schriftliche Vereinbarung zwischen Pflegeeltern und Kind, die Rechte und Pflichten bei der Mediennutzung festhält. Er gibt Struktur, reduziert Konflikte und fördert die Eigenverantwortung. Kinder, die an der Erstellung beteiligt waren, halten die Regeln besser ein.
Altersfreigaben beachten
Die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) vergeben Altersfreigaben, die rechtlich relevant sind. Bei Pflegekindern mit Traumageschichte sind die empfohlenen Altersgrenzen oft sogar zu niedrig angesetzt.
USK 0: Für alle Altersgruppen geeignet
USK 6: Ab 6 Jahren freigegeben
USK 12: Ab 12 Jahren freigegeben
USK 16: Ab 16 Jahren freigegeben
USK 18: Nur für Erwachsene (nie für Pflegekinder!)
Vorsicht bei In-App-Käufen
Viele Spiele sind kostenlos, finanzieren sich aber über Käufe innerhalb der App. Kinder können unbemerkt erhebliche Summen ausgeben. Besonders Gaming-Mechanismen wie „Lootboxen“ sind suchtähnlich konzipiert.
Gut zu wissen
Medienkompetenz stärken — gemeinsam statt gegen Verbote
Verbote allein funktionieren nicht — schon gar nicht bei älteren Pflegekindern. Medienkompetenz ist die Fähigkeit, digitale Medien selbstbestimmt, kritisch und verantwortungsvoll zu nutzen. Sie entwickelt sich nicht von selbst, sondern wird aktiv geübt und vorgelebt.
Pflegeeltern haben hier eine wichtige Vorbildfunktion: Wie geht ihr selbst mit dem Smartphone am Esstisch um? Schaltet ihr Benachrichtigungen aus, wenn ihr mit dem Kind zusammen seid? Redet ihr über das, was ihr online lest — auch über Fehlinformationen? Kinder lernen primär durch Beobachtung.
Medienkompetenz-Bausteine im Pflegealltag
Gemeinsam Medien nutzen und besprechen
Schaut gemeinsam Videos an und redet darüber: Was habt ihr gelernt? Was war unglaubwürdig? Spielt gemeinsam ein Spiel und erklärt dabei die Spielmechanismen. Diese Begleitung ist kein Kontrollieren — sie ist aktive Medienerziehung.
Kritisches Denken fördern
Erklärt, wie Werbung im Internet funktioniert und warum bestimmte Inhalte immer wieder auftauchen. Zeigt, wie man eine Information auf ihre Glaubwürdigkeit prüft — Quellenangaben suchen, mehrere Quellen vergleichen. Auch jüngere Kinder können das verstehen.
Kreative Mediennutzung ermutigen
Statt passivem Konsum aktiv werden: Fotos machen und gestalten, eigene Musik aufnehmen, ein kurzes Video für die Familie produzieren, eine Geschichte aufschreiben. Kinder, die selbst gestalten, entwickeln ein ganz anderes Verhältnis zu digitalen Medien.
Netiquette und Online-Kommunikation üben
Wie schreibt man respektvoll in Gruppenchats? Was passiert, wenn man etwas Verletzliches schreibt und es screenshot wird? Diese Fragen in ruhigen Momenten besprechen — nicht erst wenn der Konflikt da ist.
Digitale Auszeiten als Gemeinschaftserlebnis
Bildschirmfreie Abende oder Wochenendmorgen als festes Ritual einführen — und selbst daran teilnehmen. Boardspiele, gemeinsames Kochen, Spaziergänge: Was offline Spaß macht, braucht keinen Bildschirm.
Nützliche Ressourcen für Pflegeeltern
klicksafe.de
EU-Initiative für mehr Sicherheit im Internet — mit Materialien für Eltern und Kinder aller Altersgruppen. Kostenlos, auf Deutsch.
schau-hin.info
Initiative von ARD, ZDF, Super RTL und TV Spielfilm — praktische Tipps zur Medienerziehung und Checklisten für Eltern.
BZgA — Kinderschutz im Netz
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Altersgerechte Erklärungen und Elterninformationen zu Online-Risiken.
internet-abc.de
Für Kinder von 6 bis 12 Jahren — altersgerechtes Lernangebot rund um das Internet, auch für Pflegeeltern als Einstiegshilfe geeignet.
Ausführlicher Ratgeber
Pflegekind und Schule
Schuleinstieg, Lernprobleme, Kommunikation mit Lehrerinnen und Lehrern — ein Ratgeber für den Schulalltag.
Häufige Fragen zu digitalen Medien im Pflegealltag
Darf ich Fotos von meinem Pflegekind auf Instagram posten?
In der Regel nein. Pflegeeltern haben nicht das Recht, Fotos des Pflegekindes in sozialen Medien zu veröffentlichen. Die Einwilligung des Sorgerechtsinhabers ist erforderlich (§ 22 KUG, Art. 8 DSGVO). Viele Jugendämter untersagen dies ausdrücklich zum Schutz der Identität des Kindes. Das Veröffentlichen von Fotos fällt nicht unter die Alltagssorge nach § 1688 BGB. Im Zweifel gilt: lieber keine Fotos online stellen und das Kind so vor möglicher Aufspürung durch die Herkunftsfamilie schützen.
Mein Pflegekind hat heimlich Kontakt zur Herkunftsfamilie über WhatsApp — was tun?
Ruhe bewahren und nicht sofort das Handy wegnehmen. Ein offenes Gespräch suchen und herausfinden, wie der Kontakt abläuft und wie sich das Kind dabei fühlt. Das Jugendamt beziehungsweise den Pflegekinderdienst informieren. Im Hilfeplan gemeinsam klären, ob und wie digitaler Kontakt stattfinden soll. Bei jüngeren Kindern: Bildschirmzeit und App-Zugang altersgerecht einschränken. Denkt daran: Das Kind ist nicht schuld an dem Kontakt — es steckt möglicherweise in einem Loyalitätskonflikt.
Ab welchem Alter braucht mein Pflegekind ein eigenes Smartphone?
Es gibt kein festes Alter. Experten von klicksafe und der BZgA empfehlen frühestens ab 10 bis 12 Jahren ein eigenes Smartphone. Bei Pflegekindern mit besonderen Bedürfnissen — zum Beispiel FASD, ADHS oder Bindungsstörung — ist oft ein späterer Zeitpunkt sinnvoller. Beginnt idealerweise mit einem einfachen Gerät ohne Social-Media-Apps und führt Schritt für Schritt mehr Funktionen ein, wenn das Kind Verantwortungsbewusstsein zeigt.
Wie schütze ich mein Pflegekind vor Cybergrooming?
Führt offene Gespräche über Online-Gefahren in altersgerechter Sprache. Stellt die klare Regel auf: Triff dich nie mit Unbekannten aus dem Internet. Aktiviert Privatsphäre-Einstellungen in allen Apps und Spielen. Erklärt, dass keine persönlichen Daten wie Adresse, Schule oder Handynummer geteilt werden dürfen. Baut Vertrauen auf, damit das Kind sich bei Problemen meldet, ohne Angst vor Konsequenzen zu haben. Bei konkretem Verdacht auf Cybergrooming: sofort Polizei einschalten, da es sich um eine Straftat nach § 176b StGB handelt.
Mein Pflegekind ist süchtig nach dem Tablet — wie gehe ich vor?
Führt klare, feste Bildschirmzeiten ein — ein visueller Timer kann besonders für jüngere Kinder oder Kinder mit FASD/ADHS helfen. Bietet attraktive Alternativen an: Bewegung, Basteln, Vorlesen, gemeinsame Aktivitäten. Nutzt Bildschirme nicht als Belohnung oder Bestrafung, da dies den Reiz verstärkt. Stellt medienfreie Zonen ein: Schlafzimmer und Esstisch bleiben bildschirmfrei. Bei echtem Suchtverhalten mit Entzugserscheinungen, starker Aggression beim Abschalten oder komplettem Kontrollverlust: professionelle Hilfe durch Erziehungsberatung oder Kinder- und Jugendpsychiatrie suchen.
Digitaler Alltag mit Pflegekindern — ihr seid nicht allein
Im Pflegeeltern.Space-Portal tauscht ihr euch mit anderen Pflegeeltern über konkrete Alltagsfragen aus — auch zu digitalen Medien, Bildschirmzeiten und Online-Sicherheit. Praxiserfahrungen aus der Community helfen oft mehr als jeder Ratgeber.
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