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Pflegekind aufnehmen
Bewerbung, Ablauf & Vermittlung

Du hast dich entschieden, einem Kind ein Zuhause zu geben? Dieser Ratgeber begleitet dich durch den gesamten Prozess — vom ersten Anruf beim Jugendamt bis zum Tag, an dem dein Pflegekind bei dir einzieht.

10 Min. LesezeitAktualisiert: Februar 2026Schritt-für-Schritt-Anleitung
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Erster Kontakt mit dem Jugendamt

Alles beginnt mit einem Anruf, einer E-Mail oder einem Besuch beim Pflegekinderdienst (PKD) deines zuständigen Jugendamtes. Das ist die Fachabteilung, die sich speziell um die Vermittlung und Begleitung von Pflegekindern kümmert — und dein wichtigster Ansprechpartner auf dem gesamten Weg.

Wie finde ich das zuständige Jugendamt?

Zuständig ist das Jugendamt deines Wohnortes. In kreisfreien Städten ist es die Stadtverwaltung, in Landkreisen das Landratsamt. Du findest die Kontaktdaten über die Website deiner Stadt oder deines Kreises — suche nach "Pflegekinderdienst", "Pflegeeltern werden" oder "Hilfen zur Erziehung". Auch freie Träger der Jugendhilfe (z.B. Diakonie, Caritas, AWO) vermitteln in manchen Regionen Pflegekinder.

Was passiert beim Erstgespräch?

Beim ersten Kontakt geht es vor allem darum, dass du dich informierst und erste Fragen klärst. Typischerweise erfährst du:

  • Welche Formen der Pflege es gibt (Dauer-, Bereitschafts-, Kurzzeitpflege)
  • Welche Voraussetzungen erwartet werden
  • Wie der weitere Ablauf aussieht
  • Wann das nächste Vorbereitungsseminar stattfindet
  • Welche Unterlagen du vorbereiten solltest

Viele Jugendämter bieten regelmäßige Informationsveranstaltungen an — unverbindliche Abende, an denen du dich über das Pflegekinderwesen informieren kannst, ohne dich schon festlegen zu müssen. Das ist oft ein guter Einstieg, besonders wenn du noch unsicher bist.

Tipp

Bereite für das Erstgespräch eine Liste mit deinen Fragen vor. Niemand erwartet, dass du schon alles weißt. Die Fachkräfte sind es gewohnt, grundlegende Fragen zu beantworten — das ist ihr Job und sie machen es gern. Auch dein Partner oder deine Partnerin sollte nach Möglichkeit dabei sein.

Gut zu wissen

Du bist nicht an dein lokales Jugendamt gebunden. Wenn du das Gefühl hast, dass die Chemie nicht stimmt oder die Wartezeiten zu lang sind, kannst du dich auch bei einem freien Träger in deiner Region bewerben, der Pflegekinder vermittelt. Das ist kein Affront gegen das Jugendamt — viele Regionen arbeiten bewusst mit freien Trägern zusammen.
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Bewerbungsunterlagen

Um als Pflegeeltern anerkannt zu werden, musst du verschiedene Unterlagen einreichen. Die genauen Anforderungen variieren je nach Jugendamt, aber die folgenden Dokumente werden fast überall verlangt:

Erweitertes Führungszeugnis

Für alle im Haushalt lebenden Personen ab 18 Jahren. Du beantragst es bei deinem Einwohnermeldeamt. Der Hinweis, dass es für die Aufnahme eines Pflegekindes benötigt wird, reicht als Begründung. Kosten: in der Regel 13 Euro (für ehrenamtliche Tätigkeiten oft kostenlos).

Ärztliches Gesundheitszeugnis

Dein Hausarzt bestätigt, dass du körperlich und psychisch in der Lage bist, ein Kind zu betreuen. Manche Jugendämter haben eigene Formulare dafür. Eine schwere chronische Erkrankung ist kein automatischer Ausschlussgrund — entscheidend ist, ob du den Alltag mit Kind bewältigen kannst.

Einkommensnachweise

Die letzten drei Gehaltsabrechnungen oder der aktuelle Einkommensteuerbescheid. Du musst nicht reich sein — aber deinen Lebensunterhalt eigenständig bestreiten können, ohne auf das Pflegegeld angewiesen zu sein.

Tabellarischer Lebenslauf

Ein klassischer Lebenslauf mit Angaben zu deiner Ausbildung, Berufserfahrung und familiären Situation. Kein Hochglanz-Bewerbungsdokument — eher ein sachlicher Überblick.

Motivationsschreiben

Warum möchtest du ein Pflegekind aufnehmen? Was motiviert dich? Welche Erfahrungen bringst du mit? Sei ehrlich und persönlich — Phrasen wie „wir wollen einem Kind helfen“ reichen allein nicht aus. Erzähle deine Geschichte.

Meldebescheinigung

Aktueller Nachweis deines Wohnsitzes, erhältlich beim Einwohnermeldeamt.

Ggf. Heirats-/Partnerschaftsurkunde

Falls du verheiratet bist oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebst.

Wichtig

Lass dich von der Liste nicht abschrecken. Die meisten Unterlagen sind schnell besorgt, und dein Jugendamt gibt dir genau an, was sie brauchen. Du musst nicht alles auf einmal einreichen — viele Unterlagen kannst du im Laufe des Bewerbungsprozesses nachreichen.

Tipp

Beginne frühzeitig mit der Beantragung des erweiterten Führungszeugnisses — das kann 2 bis 4 Wochen dauern. Auch den Arzttermin für das Gesundheitszeugnis solltest du rechtzeitig vereinbaren.
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Vorbereitungsseminare

Bevor du ein Pflegekind aufnehmen kannst, musst du an einem Vorbereitungsseminar (auch Pflegeelternschulung oder Qualifizierungskurs genannt) teilnehmen. Dieser Kurs ist verpflichtend und wird vom Jugendamt oder einem freien Träger durchgeführt.

Umfang und Format

Die Seminare umfassen in der Regel 20 bis 30 Stunden, verteilt auf mehrere Abende und/oder Wochenenden über einen Zeitraum von 4 bis 12 Wochen. Manche Jugendämter bieten auch kompakte Wochenendseminare oder Blockveranstaltungen an.

Typische Themen

Bindung & Beziehungsaufbau

Wie Kinder Bindungen eingehen, was Bindungsstörungen bedeuten und wie du sichere Bindung fördern kannst.

Trauma & Traumafolgen

Wie sich frühe Belastungen auf die Entwicklung auswirken und wie du traumasensibel reagieren kannst.

Herkunftsfamilie & Loyalitätskonflikte

Die Bedeutung der Herkunftsfamilie für das Kind und wie du damit umgehst, wenn das Kind zwischen zwei Familien steht.

Umgangsrecht & Besuchskontakte

Rechtliche Grundlagen nach § 1684 BGB und § 1685 BGB, Gestaltung von Umgangskontakten, häufige Konflikte.

Rechtliche Grundlagen

Pflegekinderwesen nach SGB VIII, Alltagssorge nach § 1688 BGB, Hilfeplanverfahren nach § 36 SGB VIII.

Selbstfürsorge & Grenzen

Eigene Belastungsgrenzen erkennen, Supervision nutzen, Netzwerke aufbauen.

Gut zu wissen

Die Vorbereitungsseminare sind für euch kostenlos. Manche Jugendämter übernehmen sogar Fahrtkosten oder bieten eine Kinderbetreuung während der Seminarzeiten an. Fragt einfach nach.

In den Seminaren lernst du auch andere angehende Pflegeeltern kennen — das ist oft der Beginn wertvoller Kontakte, die dich über Jahre begleiten. Viele Pflegefamilien berichten, dass die Seminargruppe zu einem wichtigen Netzwerk geworden ist.

Tipp

Nutze die Seminare aktiv: Stell Fragen, tausch dich mit anderen Teilnehmenden aus und sei ehrlich bei Übungen zur Selbstreflexion. Je intensiver du dich einbringst, desto besser bist du vorbereitet — und desto sicherer wirst du dich im Pflegealltag fühlen.
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Hausbesuch und Eignungsprüfung

Ein zentraler Bestandteil des Überprüfungsverfahrens ist der Hausbesuch durch eine Fachkraft des Pflegekinderdienstes. Keine Sorge — das ist keine Inspektion, bei der jemand mit weißen Handschuhen über deine Möbel fährt. Es ist ein ausführliches Kennenlernen in deiner gewohnten Umgebung.

Was wird angeschaut?

  • Wohnsituation: Hat das Kind ein eigenes Zimmer? Ist die Wohnung kindersicher? Gibt es genug Platz zum Spielen und Zurückziehen?
  • Wohnumfeld: Gibt es Spielplätze, Schulen, Kindergärten in der Nähe? Wie ist die Nachbarschaft?
  • Familiäre Atmosphäre: Wie wirkt das Zusammenleben? Wie gehen Familienmitglieder miteinander um?

Welche Fragen werden gestellt?

Die Fachkraft wird in einem oder mehreren Gesprächen (oft 2 bis 3 Stunden) ausführlich mit euch sprechen. Typische Themen sind:

  • Eure Motivation: Warum möchtet ihr ein Pflegekind aufnehmen?
  • Eure Partnerschaft: Wie stabil ist eure Beziehung? Wie geht ihr mit Konflikten um?
  • Eigene Kindheit: Wie seid ihr selbst aufgewachsen? Was wollt ihr anders machen?
  • Erziehungsvorstellungen: Wie erzieht ihr? Welche Werte sind euch wichtig?
  • Belastbarkeit: Wie geht ihr mit Stress um? Was sind eure Grenzen?
  • Unterstützungsnetzwerk: Wer kann euch im Alltag helfen? Familie, Freunde, Nachbarn?
  • Einstellung zur Herkunftsfamilie: Wie steht ihr zu Besuchskontakten?

Der Sozialbericht

Auf Grundlage des Hausbesuchs, der Gespräche und der eingereichten Unterlagen erstellt die Fachkraft einen Sozialbericht (auch Eignungsbericht oder Homestudy genannt). Darin wird zusammengefasst, ob und für welche Art von Pflegeverhältnis ihr geeignet seid — z.B. Alter des Kindes, Pflegeform (Dauer- oder Bereitschaftspflege), besondere Bedürfnisse.

Tipp

Tipps zur Vorbereitung auf den Hausbesuch:
  • Seid authentisch — versucht nicht, etwas vorzuspielen
  • Das Kinderzimmer muss noch nicht komplett eingerichtet sein — aber ein Raum sollte vorhanden sein
  • Sprecht vorher mit eurem Partner/eurer Partnerin über eure Motivation und Erwartungen
  • Informiert leibliche Kinder im Haushalt altersgerecht
  • Bereitet Fragen vor, die ihr an die Fachkraft habt

Wichtig

Der Hausbesuch ist keine Prüfung, die man bestehen oder nicht bestehen kann. Es geht darum, ein realistisches Bild eurer Lebenssituation zu bekommen. Die Fachkräfte suchen keine perfekten Menschen — sondern Menschen, die ehrlich, belastbar und bereit sind, einem Kind mit schwierigem Hintergrund ein sicheres Zuhause zu bieten.
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Matching-Prozess

Nachdem ihr als geeignete Pflegefamilie anerkannt wurdet, beginnt die Wartezeit. Das Jugendamt sucht nun nach einem Kind, das zu eurer Familie passt — oder umgekehrt: Wenn ein Kind eine Pflegefamilie braucht, schaut das Jugendamt, welche zugelassene Familie am besten passt.

Wie läuft das Matching ab?

Das Jugendamt kontaktiert euch und stellt euch ein Kind oder Geschwisterpaar vor. Dabei bekommt ihr in der Regel folgende Informationen:

  • Alter und Geschlecht des Kindes
  • Hintergrundgeschichte (soweit bekannt und datenschutzrechtlich zulässig)
  • Entwicklungsstand und besondere Bedürfnisse
  • Gesundheitliche Informationen (Diagnosen, Therapiebedarf)
  • Aktuelle Unterbringungssituation (Bereitschaftspflege, Heim, Krankenhaus)
  • Geplante Pflegeform (befristet, Dauerpflege)
  • Umgangsregelung mit der Herkunftsfamilie

Kann ich ein Kind ablehnen?

Ja, und das ist absolut legitim. Das Matching muss für beide Seiten passen — für das Kind und für eure Familie. Wenn ihr nach der Vorstellung das Gefühl habt, dass ihr diesem Kind nicht gerecht werden könnt (z.B. wegen eines besonderen Förderbedarfs, den ihr euch nicht zutraut), dann ist eine ehrliche Absage verantwortungsvoll. Das hat keine negativen Konsequenzen für zukünftige Vorschläge.

Wichtig

Kinderschutz steht immer an erster Stelle. Das Jugendamt prüft bei jedem Matching sorgfältig, ob die Konstellation für das Kind geeignet ist. Dabei spielen Faktoren wie das Alter eurer eigenen Kinder, die Geschwisterdynamik, eure berufliche Situation und eure spezifischen Stärken eine Rolle.

Gut zu wissen

Die Wartezeit zwischen Eignungsanerkennung und dem ersten Kindervorschlag kann stark variieren — von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten. Für Säuglinge und Kleinkinder ist die Nachfrage besonders hoch. Wenn ihr offen für ältere Kinder, Geschwister oder Kinder mit besonderem Bedarf seid, verkürzt sich die Wartezeit oft erheblich.
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Anbahnung und Kennenlernen

Wenn ihr euch für ein Kind entschieden habt und auch das Jugendamt grünes Licht gibt, beginnt die Anbahnungsphase. Das ist eine behutsame, schrittweise Kontaktaufnahme zwischen euch und dem Kind — einer der sensibelsten und wichtigsten Abschnitte des gesamten Prozesses.

Typische Phasen der Anbahnung

Phase 1: Erster Kontakt

Ihr besucht das Kind in seiner aktuellen Umgebung (Bereitschaftspflegefamilie, Einrichtung). Der erste Besuch dauert oft nur 1–2 Stunden. Ihr beobachtet, spielt vielleicht ein wenig, macht euch bekannt — ohne Druck.

Phase 2: Regelmäßige Besuche

Die Besuche werden häufiger und länger. Ihr unternehmt etwas gemeinsam, geht auf den Spielplatz, esst zusammen. Das Kind lernt euch als vertraute Gesichter kennen.

Phase 3: Besuche bei euch zu Hause

Das Kind kommt zu euch nach Hause — erst für ein paar Stunden, dann für einen ganzen Tag. Es lernt euer Zuhause, euer Viertel und ggf. eure Kinder kennen.

Phase 4: Übernachtungen

Wenn sich das Kind wohlfühlt, bleibt es zum ersten Mal über Nacht. Dann ein ganzes Wochenende. Die Abstände zur bisherigen Betreuung werden größer.

Phase 5: Übergang

Die Besuche in der bisherigen Umgebung werden seltener, die Zeit bei euch wird zum neuen Alltag. Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem das Kind ganz bei euch einzieht.

Wie lange dauert die Anbahnung?

Die Dauer hängt stark vom Alter und der Vorgeschichte des Kindes ab:

  • Säuglinge: Oft nur wenige Tage bis 1–2 Wochen
  • Kleinkinder (1–3 Jahre): Meist 2–4 Wochen
  • Kindergartenkinder (3–6 Jahre): 3–6 Wochen
  • Schulkinder und Jugendliche: 4–8 Wochen oder länger

In der Bereitschaftspflege oder bei akuten Notsituationen kann die Anbahnung deutlich kürzer sein — manchmal nur wenige Stunden.

Wichtig

Was, wenn es nicht passt? Auch nach Beginn der Anbahnung kann die Vermittlung abgebrochen werden — wenn ihr oder das Kind merkt, dass es nicht funktioniert. Das ist kein Versagen, sondern kann im besten Interesse des Kindes sein. Sprecht offen mit der Fachkraft des Jugendamtes über eure Beobachtungen und Gefühle.

Tipp

Führt ein Anbahnungstagebuch. Notiert nach jedem Besuch, wie es gelaufen ist, was euch aufgefallen ist, wie das Kind reagiert hat. Das hilft euch bei der Reflexion und ist später eine wertvolle Erinnerung an die Anfänge eurer gemeinsamen Geschichte.
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Aufnahme und die ersten Tage

Der Tag ist gekommen: Euer Pflegekind zieht bei euch ein. Das ist ein aufregender, emotionaler und manchmal auch überwältigender Moment — für das Kind ebenso wie für euch. Eine gute Vorbereitung hilft, diese ersten Tage so sanft wie möglich zu gestalten.

Was solltet ihr vorbereiten?

Kinderzimmer einrichten

Ein eigenes Zimmer mit Bett, Schrank und Platz zum Spielen. Richtet es gemütlich, aber nicht zu überladen ein — das Kind soll es sich nach und nach selbst zu eigen machen können.

Grundausstattung besorgen

Kleidung, Bettwäsche, Handtücher, Zahnbürste, altersgerechtes Spielzeug. Für Säuglinge: Fläschchen, Windeln, Kinderwagen. Vieles kann über die Erstausstattungspauschale finanziert werden.

Wohnung kindersicher machen

Steckdosensicherung, Treppenschutzgitter, Reinigungsmittel und Medikamente außer Reichweite. Je nach Alter des Kindes unterschiedliche Maßnahmen.

Schule/Kita informieren

Falls das Kind schulpflichtig ist oder einen Kitaplatz braucht: Frühzeitig Kontakt aufnehmen. Manche Kinder brauchen einige Tage oder Wochen Eingewöhnung zu Hause, bevor sie in eine Einrichtung gehen.

Behördliches nach der Aufnahme

Sobald das Kind bei euch lebt, gibt es einige bürokratische Schritte:

  • Anmeldung beim Einwohnermeldeamt (Ummeldung an eure Adresse)
  • Krankenversicherung klären (über die Herkunftsfamilie, eigene Versicherung oder Jugendamt)
  • Kinderarzt suchen und Ersttermin vereinbaren
  • Kindergeld beantragen (bei der Familienkasse)
  • Pflegegeld wird in der Regel automatisch durch das Jugendamt angewiesen
  • Hilfeplan wird zeitnah erstellt (§ 36 SGB VIII) — mit Zielen für das Pflegeverhältnis

Tipp

Plant für die ersten 2–4 Wochen möglichst wenig Außentermine. Gebt dem Kind und euch Zeit, anzukommen. Routinen einführen, das Zuhause kennenlernen, Vertrauen aufbauen — das braucht Ruhe und Ungestörtheit. Wenn möglich, nehmt euch Urlaub oder reduziert eure Arbeitszeit in den ersten Wochen.

Wichtig

Die ersten Tage können eine emotionale Achterbahn sein. Das Kind reagiert möglicherweise mit Rückzug, Wut, übertriebener Anpassung oder Trauer. All das ist normal. Seid geduldig, setzt klare, liebevolle Grenzen und scheut euch nicht, die Fachberatung des Jugendamtes um Unterstützung zu bitten.

Ausführlicher Ratgeber

Eingewöhnung Pflegekind: Die ersten Wochen erfolgreich meistern

Praktische Tipps für Bindungsaufbau, Routinen und den Umgang mit Herausforderungen in den ersten Wochen.

Timeline: Wie lange dauert der Prozess?

Von der ersten Kontaktaufnahme bis zur Aufnahme eines Pflegekindes vergehen in der Regel 6 bis 12 Monate. Bei hohem Bedarf und guter Zusammenarbeit mit dem Jugendamt kann es auch schneller gehen — in der Bereitschaftspflege sogar innerhalb weniger Tage. Hier ein typischer Zeitablauf für die Dauerpflege:

Monat 1

Erstgespräch beim Jugendamt

Kontaktaufnahme, Informationsveranstaltung oder persönliches Erstgespräch mit dem Pflegekinderdienst.

Monat 1–3

Vorbereitungsseminar

Teilnahme am Vorbereitungskurs (20–30 Stunden), verteilt über mehrere Wochen oder Wochenenden.

Monat 2–4

Bewerbungsunterlagen einreichen

Führungszeugnis, Gesundheitszeugnis, Einkommensnachweise, Lebenslauf und Motivationsschreiben abgeben.

Monat 3–5

Hausbesuch & Eignungsprüfung

Die Fachkraft besucht euch zu Hause, führt Gespräche und erstellt den Sozialbericht.

Monat 4–8

Wartezeit & Matching

Ihr werdet als geeignet anerkannt und wartet auf einen passenden Kindervorschlag.

Monat 5–10

Anbahnung & Kennenlernen

Behutsames Kennenlernen des Kindes über mehrere Besuche — von kurzen Treffen bis zu Übernachtungen.

Monat 6–12

Aufnahme in eure Familie

Das Kind zieht bei euch ein. Die Eingewöhnung beginnt — begleitet durch das Jugendamt.

Durchschnittliche Gesamtdauer

6 – 12 Monate

Die tatsächliche Dauer hängt von vielen Faktoren ab: der Bearbeitungsgeschwindigkeit eures Jugendamtes, der Verfügbarkeit von Seminarplätzen, eurer eigenen Geschwindigkeit beim Zusammenstellen der Unterlagen und natürlich davon, wann ein passendes Kind vermittelt werden kann.

Tipp

Nutzt die Wartezeit sinnvoll: Lest Bücher zu Bindung und Trauma (z.B. "Pflegekinder und ihre Entwicklungschancen nach frühen belastenden Erfahrungen" von Katja Nowacki), vernetzt euch mit anderen Pflegeeltern in der Community und bereitet euer Zuhause vor. Die Zeit vergeht schneller, als ihr denkt.

Häufige Fragen zum Pflegekind aufnehmen

Wie lange dauert es, bis man ein Pflegekind aufnehmen kann?

Vom ersten Kontakt mit dem Jugendamt bis zur Aufnahme eines Pflegekindes vergehen in der Regel 6 bis 12 Monate. Die Dauer hängt von der Bearbeitungsgeschwindigkeit des Jugendamtes, den Terminen für Vorbereitungsseminare, dem Eignungsprüfungsverfahren und der Verfügbarkeit eines passenden Kindes ab. In dringenden Fällen (Bereitschaftspflege) kann es auch deutlich schneller gehen.

Welche Unterlagen brauche ich für die Bewerbung als Pflegeeltern?

Für die Bewerbung beim Jugendamt benötigen Sie in der Regel: ein erweitertes Führungszeugnis (für alle Haushaltsmitglieder ab 18 Jahren), ein ärztliches Gesundheitszeugnis, Einkommensnachweise (Gehaltsabrechnungen oder Steuerbescheid), einen tabellarischen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben, eine Meldebescheinigung und ggf. eine Heiratsurkunde. Die genauen Anforderungen variieren je nach Jugendamt.

Kann ich ein Pflegekind ablehnen, das mir vorgeschlagen wird?

Ja, Sie können ein Kind ablehnen, wenn Sie das Gefühl haben, dass es nicht zu Ihrer Familie passt. Das Matching ist ein gemeinsamer Entscheidungsprozess — weder das Jugendamt noch Sie werden zu einer Vermittlung gezwungen. Es ist sogar verantwortungsvoll, ehrlich zu sein, denn eine gelingende Pflege setzt voraus, dass sich beide Seiten wohlfühlen. Eine Ablehnung hat keine negativen Auswirkungen auf zukünftige Vorschläge.

Was passiert beim Hausbesuch durch das Jugendamt?

Beim Hausbesuch kommt eine Fachkraft des Jugendamtes (meist vom Pflegekinderdienst) zu Ihnen nach Hause. Sie schaut sich die Wohnsituation an (eigenes Kinderzimmer, Sicherheit, Platzangebot), führt ausführliche Gespräche über Ihre Motivation, Lebenssituation, Erziehungsvorstellungen und Belastbarkeit und lernt alle im Haushalt lebenden Personen kennen. Der Besuch dauert meist 2 bis 3 Stunden und ist keine Kontrolle, sondern ein gegenseitiges Kennenlernen. Die Ergebnisse fließen in den Sozialbericht ein.

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