Pflegeeltern werden
Der komplette Leitfaden 2026
Du überlegst, ein Pflegekind aufzunehmen? Dieser Ratgeber erklärt dir alles, was du wissen musst — von den Voraussetzungen über die Bewerbung beim Jugendamt bis zum Pflegealltag.
Was sind Pflegeeltern?
Pflegeeltern sind Menschen, die ein Kind vorübergehend oder dauerhaft in ihrer Familie aufnehmen, weil es in seiner Herkunftsfamilie nicht ausreichend versorgt werden kann. Rechtlich ist die Vollzeitpflege in § 33 SGB VIII geregelt und gehört zu den Hilfen zur Erziehung.
Anders als bei einer Adoption bleibt das Sorgerecht in der Regel bei den leiblichen Eltern oder einem Vormund. Pflegeeltern übernehmen die Alltagssorge — also die tägliche Betreuung, Erziehung und Versorgung des Kindes — und arbeiten dabei eng mit dem Jugendamt und oft auch mit der Herkunftsfamilie zusammen.
Ausführlicher Ratgeber
Pflegekind oder Adoption? Die wichtigsten Unterschiede
Sorgerecht, Dauer, Herkunftsfamilie — alle Unterschiede im Vergleich.
Warum werden Pflegeeltern gebraucht?
In Deutschland leben rund 81.000 Kinder und Jugendliche in Vollzeitpflege (Statistisches Bundesamt). Die Gründe, warum Kinder nicht bei ihren leiblichen Eltern leben können, sind vielfältig: Überforderung, psychische Erkrankungen, Suchtprobleme, Vernachlässigung oder Gewalt.
Die Nachfrage nach geeigneten Pflegefamilien ist deutlich größer als das Angebot. Viele Jugendämter suchen dringend Pflegeeltern — besonders für ältere Kinder, Geschwistergruppen und Kinder mit besonderen Bedürfnissen (z.B. FASD, Traumafolgestörungen).
81.000+
Kinder in Vollzeitpflege
~50%
der Jugendämter suchen aktiv
Steigend
Bedarf seit 10 Jahren
Gut zu wissen
Voraussetzungen im Überblick
Um Pflegeeltern zu werden, musst du bestimmte formale und persönliche Voraussetzungen erfüllen. Die gute Nachricht: Du musst weder reich noch perfekt sein. Hier die wichtigsten Anforderungen:
Mindestalter
In der Regel mindestens 25 Jahre, der Altersabstand zum Pflegekind sollte angemessen sein.
Erweitertes Führungszeugnis
Für alle im Haushalt lebenden Personen ab 18 Jahren — ohne einschlägige Einträge.
Gesundheitszeugnis
Ärztliches Attest, dass du gesundheitlich in der Lage bist, ein Kind zu betreuen.
Ausreichend Wohnraum
Das Kind braucht ein eigenes Zimmer. Luxus ist nicht nötig, aber genug Platz.
Gesicherte finanzielle Grundlage
Du musst nicht vermögend sein — aber deinen Lebensunterhalt eigenständig bestreiten können.
Persönliche Eignung
Erziehungskompetenz, Belastbarkeit, Einfühlungsvermögen und Kooperationsbereitschaft.
Tipp
Ausführlicher Ratgeber
Voraussetzungen für Pflegeeltern: Was wird erwartet?
Alle formalen und persönlichen Anforderungen im Detail — inkl. Checkliste.
Der Weg zum Pflegekind: Schritt für Schritt
Der Prozess von der ersten Idee bis zur Aufnahme eines Pflegekindes dauert in der Regel 6 bis 12 Monate. Hier sind die typischen Schritte:
Informieren und Kontakt aufnehmen
Wende dich an das Jugendamt deiner Stadt oder deines Kreises. Die meisten bieten Informationsabende oder Einzelgespräche für Interessierte an.
Vorbereitungsseminar besuchen
In mehrtägigen Seminaren (oft 20-30 Stunden) wirst du auf typische Situationen im Pflegealltag vorbereitet: Bindung, Trauma, Umgangskontakte, Herkunftsfamilie.
Bewerbungsunterlagen einreichen
Führungszeugnis, Gesundheitszeugnis, Einkommensnachweise, Lebenslauf und ein Motivationsschreiben.
Hausbesuch und Eignungsprüfung
Eine Fachkraft des Jugendamtes besucht euch zu Hause, lernt euer Umfeld kennen und führt ausführliche Gespräche über eure Motivation und Lebenssituation.
Matching: Das passende Kind finden
Das Jugendamt schlägt euch ein Kind vor, das zu eurer Familie passt. Ihr lernt die Situation des Kindes kennen und entscheidet gemeinsam.
Anbahnung und Kennenlernen
Über mehrere Wochen lernt ihr das Kind in seiner bisherigen Umgebung kennen — mit behutsamen Besuchen, die schrittweise intensiviert werden.
Aufnahme in eure Familie
Das Kind zieht bei euch ein. Die Eingewöhnung beginnt — begleitet vom Jugendamt, das euch auch danach weiter unterstützt.
Ausführlicher Ratgeber
Pflegekind aufnehmen: Bewerbung, Ablauf & Vermittlung
Jeder Schritt im Detail — von der Bewerbung bis zum Einzug.
Formen der Vollzeitpflege
Es gibt verschiedene Formen der Familienpflege. Welche zu dir passt, hängt von deiner Lebenssituation und Bereitschaft ab:
Dauerpflege
Das Kind lebt langfristig bei euch — oft bis zur Volljährigkeit. Die häufigste Form der Vollzeitpflege.
Bereitschaftspflege
Kurzfristige Aufnahme in Notsituationen (Tage bis Wochen), bis eine dauerhafte Lösung gefunden wird.
Kurzzeitpflege
Befristete Aufnahme, z.B. wenn die Herkunftsfamilie vorübergehend ausfällt (Krankenhausaufenthalt, Reha).
Verwandtenpflege
Großeltern, Tanten oder andere Verwandte nehmen das Kind auf. Wird auch vom Jugendamt begleitet und finanziell unterstützt.
Gut zu wissen
Finanzielle Unterstützung: Pflegegeld
Pflegeeltern erhalten monatliches Pflegegeld, das sich aus zwei Teilen zusammensetzt:
- Materielle Aufwendungen — für Nahrung, Kleidung, Wohnung, Schulmaterial etc.
- Erziehungsbeitrag — als Anerkennung für die Erziehungsleistung
Die Höhe des Pflegegeldes variiert je nach Bundesland und Alter des Kindes — sie liegt in der Regel zwischen ca. 750 und 1.200 Euro pro Monat.
Zusätzlich zum monatlichen Pflegegeld gibt es einmalige Leistungen wie Erstausstattung, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Beihilfen für Sonderbedarf (z.B. Brille, Klassenfahrt, Nachhilfe).
Tipp
Ausführlicher Ratgeber
Pflegegeld 2026: Höhe nach Bundesland & Altersgruppe
Aktuelle Pflegegeldsätze, Zusatzleistungen und wie du Pflegegeld beantragst.
Rechte und Pflichten von Pflegeeltern
Als Pflegeeltern hast du sowohl Rechte als auch Pflichten. Das Zusammenspiel zwischen Pflegefamilie, Jugendamt und Herkunftsfamilie ist rechtlich klar geregelt:
Deine Rechte
- Alltagssorge (§ 1688 BGB)
- Mitsprache bei Hilfeplangesprächen
- Anspruch auf Pflegegeld
- Verbleibensanordnung beantragen
Deine Pflichten
- Dokumentation und Berichte
- Umgangskontakte ermöglichen
- Kooperation mit dem Jugendamt
- Schweigepflicht über Kindesdaten
Ausführlicher Ratgeber
Rechte und Pflichten von Pflegeeltern: Was du wissen musst
Alltagssorge, Umgangsrecht, Hilfeplan und Zusammenarbeit mit dem Jugendamt.
Die ersten Wochen: Eingewöhnung
Die Eingewöhnung ist eine der intensivsten Phasen im Pflegealltag. Dein Pflegekind muss sich an eine völlig neue Umgebung gewöhnen — oft nach belastenden Erfahrungen in der Herkunftsfamilie.
Was hilft in den ersten Wochen:
- Klare, vorhersehbare Routinen und Rituale schaffen
- Geduld zeigen — Vertrauen braucht Zeit
- Erwartungen realistisch halten
- Dem Kind einen sicheren Rückzugsort bieten
- Professionelle Unterstützung annehmen
Wichtig
Ausführlicher Ratgeber
Eingewöhnung Pflegekind: Die ersten Wochen erfolgreich meistern
Praktische Tipps für Bindungsaufbau, Routinen und den Umgang mit Herausforderungen.
Herausforderungen — und wie du sie meisterst
Pflegeeltern sein ist bereichernd, aber auch fordernd. Wir wollen ehrlich sein — das sind die häufigsten Herausforderungen:
Umgang mit der Herkunftsfamilie
Besuchskontakte können belastend sein — für das Kind und für euch. Professionelle Begleitung und klare Absprachen mit dem Jugendamt helfen.
Trauma und Verhaltensauffälligkeiten
Viele Pflegekinder bringen belastende Erfahrungen mit. Traumapädagogische Fortbildungen und therapeutische Unterstützung sind Gold wert.
Bürokratie und Dokumentation
Berichte, Anträge, Hilfeplangespräche — der Papierkram kann überwältigend sein. Digitale Tools wie Pflegeeltern.Space helfen, den Aufwand drastisch zu reduzieren.
Unsicherheit über die Zukunft
Die Möglichkeit einer Rückführung kann emotional belastend sein. Austausch mit anderen Pflegeeltern und Fachberatung geben Halt.
Eigene Grenzen erkennen
Selbstfürsorge ist kein Luxus, sondern Pflicht. Supervision, Auszeiten und ein unterstützendes Netzwerk sind essenziell.
Häufige Fragen zum Thema Pflegeeltern werden
Kann ich als Einzelperson Pflegeeltern werden?
Ja, auch Einzelpersonen können Pflegeeltern werden. Du musst nicht verheiratet sein oder in einer Partnerschaft leben. Entscheidend ist, dass du die persönlichen und formalen Voraussetzungen erfüllst und ein stabiles Umfeld bieten kannst.
Wie lange dauert es, bis man ein Pflegekind bekommt?
Von der ersten Kontaktaufnahme beim Jugendamt bis zur Aufnahme eines Pflegekindes vergehen in der Regel 6 bis 12 Monate. Die Dauer hängt von der Bearbeitungszeit des Jugendamtes, den Vorbereitungsseminaren und dem Matching-Prozess ab.
Bekommt man als Pflegeeltern Geld?
Ja, Pflegeeltern erhalten monatliches Pflegegeld, das je nach Bundesland und Alter des Kindes zwischen ca. 750 und 1.200 Euro liegt. Es setzt sich aus materiellen Aufwendungen und einem Erziehungsbeitrag zusammen. Zusätzlich gibt es Beihilfen für Erstausstattung, Urlaub und Sonderbedarf.
Brauche ich eine pädagogische Ausbildung?
Nein, eine pädagogische Ausbildung ist keine Voraussetzung. Wichtiger sind Erziehungskompetenz, Einfühlungsvermögen, Belastbarkeit und die Bereitschaft, an Vorbereitungsseminaren teilzunehmen. Berufliche Qualifikationen im pädagogischen Bereich sind ein Plus, aber kein Muss.
Was ist der Unterschied zwischen Pflegekind und Adoption?
Bei der Vollzeitpflege bleibt das Sorgerecht bei den leiblichen Eltern oder dem Vormund — das Kind lebt bei euch, aber rechtlich bleibt die Verbindung zur Herkunftsfamilie bestehen. Bei einer Adoption übernehmt ihr das volle Sorgerecht und das Kind wird rechtlich euer eigenes. Eine Rückführung zur Herkunftsfamilie ist bei der Pflege grundsätzlich möglich, bei der Adoption nicht.
Kann ein Pflegekind wieder weggenommen werden?
Grundsätzlich kann ein Pflegekind zur Herkunftsfamilie zurückgeführt werden, wenn sich die Situation dort stabilisiert hat. Nach § 1632 Abs. 4 BGB kann das Familiengericht jedoch eine Verbleibensanordnung erlassen, wenn das Kind seit längerer Zeit in der Pflegefamilie lebt und eine Rückführung das Kindeswohl gefährden würde. Das Wohl des Kindes steht immer im Mittelpunkt.
Bereit für den ersten Schritt?
Finde heraus, ob du als Pflegefamilie geeignet bist, oder tausche dich mit anderen Pflegeeltern aus.
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Eingewöhnung Pflegekind
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