Eingewöhnung Pflegekind
Die ersten Wochen erfolgreich meistern
Ein Pflegekind zieht bei euch ein — und mit ihm kommen Hoffnung, Unsicherheit und tausend Fragen. Dieser Ratgeber begleitet dich durch die intensivste Phase: von der Vorbereitung über den ersten Tag bis zum Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung.
Vor der Aufnahme: Vorbereitung zu Hause
Die Eingewöhnung beginnt nicht am Tag des Einzugs — sie beginnt Wochen vorher. Eine gute Vorbereitung gibt dir Sicherheit und schafft die Grundlage dafür, dass sich dein Pflegekind willkommen fühlt. Nimm dir diese Zeit bewusst, denn sie ist eine Investition in den gemeinsamen Start.
Das Kinderzimmer einrichten
Dein Pflegekind braucht einen eigenen Raum — einen Rückzugsort, der von Anfang an sein Bereich ist. Dabei gilt: Weniger ist mehr. Ein überladenes Zimmer mit teurem Spielzeug kann ein Kind, das bisher wenig hatte, eher überfordern als erfreuen. Richte das Zimmer gemütlich, aber schlicht ein: ein gutes Bett, ein Schrank, ein Regal, eine Lichtquelle. Lass bewusst Platz für Dinge, die das Kind mitbringt oder sich selbst aussucht.
Alltagsgegenstände besorgen
Informiere dich beim Jugendamt oder der bisherigen Betreuung über Alter, Größe und besondere Bedürfnisse des Kindes. Besorge Grundausstattung: passende Kleidung, Hygieneartikel, altersgerechtes Geschirr und ein paar einfache Spielsachen oder Bücher. Frage nach, ob das Kind ein Kuscheltier, eine Decke oder einen anderen Gegenstand hat, der ihm Sicherheit gibt — und sorge dafür, dass dieser Gegenstand von Anfang an einen festen Platz bekommt.
Leibliche Kinder vorbereiten
Wenn du eigene Kinder hast, ist ihre Einbindung entscheidend. Sprich altersgerecht mit ihnen darüber, warum ein Kind zu euch kommt und was sich verändern wird. Sei ehrlich: Es wird Herausforderungen geben, und manchmal wird das Pflegekind vielleicht mehr Aufmerksamkeit brauchen. Betone gleichzeitig, dass sich an deiner Liebe zu ihnen nichts ändert. Plane bewusst Exklusivzeit mit deinen leiblichen Kindern ein — auch nach dem Einzug.
Dein Netzwerk informieren
Informiere enge Familienmitglieder, Freunde und Nachbarn über die bevorstehende Aufnahme — aber nur soweit nötig. Das Kind hat ein Recht auf Privatsphäre. Bitte dein Umfeld um Verständnis, dass ihr in den ersten Wochen weniger verfügbar sein werdet und keine großen Familientreffen plant. Gut gemeinte Besuche können in der Anfangsphase mehr schaden als helfen.
Wichtig
Der erste Tag: Was dein Pflegekind jetzt braucht
Der Tag, an dem dein Pflegekind einzieht, ist für alle Beteiligten aufregend — für das Kind ist er vor allem eines: überwältigend. Egal ob es drei oder dreizehn Jahre alt ist, dieser Tag markiert einen Bruch in seinem Leben. Alles, was es kennt, bleibt zurück. Alles, was kommt, ist fremd.
Ruhe bewahren
Kein großes Empfangskomitee, keine aufgeregten Verwandten. Halte den ersten Tag bewusst ruhig und reizarm. Je weniger neue Eindrücke, desto sicherer kann sich das Kind fühlen.
Sicherheit vermitteln
Zeige dem Kind sein Zimmer, sein Bett, seinen Platz am Tisch. Sage klar: 'Das ist dein Zimmer. Das ist dein Bett. Hier bist du sicher.' Diese konkreten, greifbaren Dinge geben Halt.
Keine Reizüberflutung
Kein Programm, keine Ausflüge, kein Spielplatzbesuch. Der erste Tag gehört dem Ankommen — nicht dem Unterhalten. Langeweile ist in diesem Moment dein bester Verbündeter.
Gemeinsam essen
Eine gemeinsame Mahlzeit ist eines der ältesten Rituale der Menschheit. Frage das Kind, was es gerne isst, und bereite etwas Einfaches vor. Am Tisch sitzen, zusammen essen — das schafft Verbindung ohne Druck.
Nähe anbieten, nicht aufzwingen
Manche Kinder suchen sofort körperliche Nähe, andere weichen zurück. Beides ist in Ordnung. Biete Nähe an ('Du kannst gerne neben mir sitzen'), aber respektiere ein Nein. Erzwungene Umarmungen zerstören Vertrauen.
Persönlichen Bereich zeigen
Zeige dem Kind, wo die Toilette ist, wo es Wasser bekommt, wo sein Handtuch hängt. Diese kleinen Orientierungspunkte geben Autonomie und reduzieren das Gefühl, ausgeliefert zu sein.
Tipp
Die ersten Wochen: Routinen aufbauen
Wenn der erste Tag geschafft ist, beginnt die eigentliche Arbeit: Der Aufbau eines verlässlichen Alltags. Für Pflegekinder, deren bisheriges Leben oft von Chaos, Unvorhersehbarkeit und Instabilität geprägt war, sind Routinen kein Nice-to-have — sie sind überlebenswichtig für das Sicherheitsgefühl.
Klare Tagesstruktur schaffen
Lege feste Zeiten für die wichtigsten Ankerpunkte des Tages fest: Aufstehen, Mahlzeiten, Ruhezeiten, Zubettgehen. Das Kind muss nicht die Uhr lesen können — es muss spüren, dass der Tag eine vorhersehbare Struktur hat. Vorhersehbarkeit bedeutet Sicherheit. Sicherheit bedeutet weniger Stress. Weniger Stress bedeutet mehr Kapazität für Bindung.
Rituale einführen
Rituale sind kraftvoller als Regeln. Ein Gute-Nacht-Ritual (eine Geschichte, ein Lied, eine bestimmte Abfolge), ein Morgenritual (gemeinsam frühstücken, den Tag besprechen) oder ein Wochenend-Ritual (Samstag ist Pfannkuchentag) geben dem Kind Orientierung und schaffen positive gemeinsame Erfahrungen. Beginne mit ein oder zwei einfachen Ritualen und baue langsam darauf auf.
Geduld als Grundhaltung
In den ersten Wochen wird vieles nicht funktionieren, wie du es dir vorstellst. Das Kind wird Routinen testen, vergessen oder verweigern. Das ist normal. Jede Routine, die du geduldig wiederholst, ist eine Botschaft an das Kind: Hier ist es verlässlich. Hier ändert sich nichts, egal wie du dich verhältst. Diese Erfahrung der Beständigkeit ist für viele Pflegekinder völlig neu — und genau deshalb so wertvoll.
Gut zu wissen
2-4
Wochen ruhige Eingewöhnung
3-5
Feste Rituale pro Tag
3-6
Monate bis erste Stabilität
Bindungsaufbau: Vertrauen schaffen
Bindung ist das Fundament, auf dem alles andere aufbaut — Entwicklung, Lernen, emotionale Regulation, Sozialverhalten. Ohne eine sichere Bindung zu mindestens einer Bezugsperson kann sich ein Kind nicht gesund entwickeln. Genau hier liegt eure wichtigste Aufgabe als Pflegeeltern.
Bindungstheorie nach Bowlby
Der britische Psychiater John Bowlby hat in seiner Bindungstheorie beschrieben, dass jedes Kind ein angeborenes Bedürfnis nach einer sicheren Basis hat — einer Bezugsperson, die verlässlich da ist, die tröstet, die Schutz bietet. Von dieser sicheren Basis aus erkundet das Kind die Welt und kehrt bei Stress oder Angst dorthin zurück. Pflegekinder haben diese sichere Basis oft nicht erlebt oder sie wurde ihnen genommen.
Das bedeutet: Dein Pflegekind hat möglicherweise gelernt, dass Erwachsene nicht verlässlich sind. Dass Nähe gefährlich sein kann. Dass es besser ist, niemanden zu brauchen. Diese inneren Überzeugungen zu verändern, braucht Zeit — oft Monate oder Jahre. Aber jede einzelne positive Bindungserfahrung, die du dem Kind gibst, hinterlässt eine Spur.
Sichere Basis sein
Deine Aufgabe ist es, diese sichere Basis zu werden. Das bedeutet nicht, perfekt zu sein. Es bedeutet: verfügbar, vorhersehbar und feinfühlig zu sein. Wenn das Kind weint, bist du da. Wenn es wütend ist, bleibst du ruhig. Wenn es sich zurückzieht, respektierst du das — und signalisierst gleichzeitig: Ich bin hier, wenn du mich brauchst.
Feinfühligkeit und Co-Regulation
Feinfühligkeit bedeutet, die Signale des Kindes wahrzunehmen, sie richtig zu interpretieren und angemessen darauf zu reagieren. Ein Kind, das sich unter den Tisch verkriecht, braucht keine Aufforderung herauszukommen — es braucht Sicherheit. Ein Kind, das einen Wutanfall hat, braucht keine Strafe — es braucht Co-Regulation: einen ruhigen Erwachsenen, der seine eigenen Emotionen reguliert hat und dem Kind hilft, seine Gefühle zu ordnen.
Co-Regulation ist das Gegenstück zur Selbstregulation. Bevor ein Kind lernt, seine Emotionen selbst zu steuern, braucht es einen Erwachsenen, der das gemeinsam mit ihm tut: ruhig atmen, spiegeln ('Ich sehe, dass du wütend bist'), aushalten, begleiten. Das ist anstrengend — aber es ist der Kern traumasensibler Erziehung.
Nonverbale Signale beachten
Gerade bei jüngeren Kindern oder Kindern, die sprachliche Entwicklungsverzögerungen haben, sind nonverbale Signale entscheidend. Achte auf Körpersprache, Mimik, Muskelspannung und Blickkontakt. Ein Kind, das erstarrt, hat Angst. Ein Kind, das den Blickkontakt vermeidet, schützt sich. Ein Kind, das sich an dich klammert, sucht Sicherheit — auch wenn es das noch nicht in Worte fassen kann.
Wichtig
Typische Verhaltensweisen — und wie du damit umgehst
In den ersten Wochen und Monaten wirst du Verhaltensweisen erleben, die dich herausfordern, verwirren oder verunsichern. Die meisten davon sind normale Reaktionen auf unnormale Erfahrungen. Zu verstehen, warum ein Kind sich so verhält, hilft dir, angemessen zu reagieren — statt aus Hilflosigkeit in alte Erziehungsmuster zu verfallen.
Testen von Grenzen
Warum passiert das?
Das Kind prüft: Bleibt ihr wirklich, wenn ich schwierig bin? Viele Pflegekinder haben die Erfahrung gemacht, dass Beziehungen enden, wenn sie 'zu viel' werden. Also testen sie — bewusst oder unbewusst — ob diese neue Familie sie auch dann aushält, wenn sie anstrengend sind.
Was hilft?
Grenzen klar und liebevoll setzen. Konsequent, aber nicht bestrafend. 'Ich mag das nicht, was du gerade tust — aber ich mag dich. Und ich bin morgen immer noch hier.' Diese Botschaft muss hundertmal wiederholt werden, bevor sie ankommt.
Rückzug und Schweigen
Warum passiert das?
Rückzug ist eine Schutzstrategie. Das Kind hat gelernt, dass es sicherer ist, unsichtbar zu sein. Schweigen kann ein Zeichen von Überforderung, Angst oder tiefer Trauer sein — über den Verlust der Herkunftsfamilie, auch wenn die Situation dort schwierig war.
Was hilft?
Nicht drängen. Präsent sein, ohne zu fordern. Zeige, dass du da bist, auch wenn das Kind sich zurückzieht. 'Du musst nicht reden. Ich bin hier, wenn du mich brauchst.' Manchmal hilft es, parallel eine ruhige Aktivität anzubieten: zusammen malen, bauen, spazieren gehen — ohne Gesprächszwang.
Übermäßige Anpassung (Honeymoon-Phase)
Warum passiert das?
Manche Kinder sind in den ersten Wochen auffällig 'brav', angepasst und pflegeleicht. Das ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen. Es kann bedeuten, dass das Kind gelernt hat, die Erwartungen Erwachsener sofort zu erfüllen — aus Angst vor den Konsequenzen. Diese Phase endet, und dann kommen die echten Gefühle.
Was hilft?
Genieße die ruhige Phase, aber rechne damit, dass sie endet. Wenn das Kind nach Wochen oder Monaten plötzlich 'schwieriger' wird, ist das paradoxerweise ein Vertrauensbeweis: Es traut sich, echte Gefühle zu zeigen. Reagiere darauf nicht enttäuscht, sondern erkenne es als Fortschritt.
Wutausbrüche und Aggression
Warum passiert das?
Wutausbrüche bei Pflegekindern sind selten eine Reaktion auf die aktuelle Situation — sie sind gespeicherter Stress, der sich entlädt. Das Kind hat möglicherweise nie gelernt, Emotionen zu regulieren, weil nie jemand da war, der ihm dabei geholfen hat. Aggression kann auch ein Ausdruck von Hilflosigkeit, Trauer oder Angst sein.
Was hilft?
Sicherheit hat Vorrang — für das Kind und für dich. Bleibe ruhig (so gut es geht), schütze dich und das Kind vor Verletzungen, und warte den Sturm ab. Danach: nicht bestrafen, sondern begleiten. 'Das war gerade richtig heftig. Lass uns zusammen runterkommen.' Langfristig: Traumatherapie und professionelle Beratung einbeziehen.
Einnässen / Einkoten (Regression)
Warum passiert das?
Regression — also der Rückfall in frühere Entwicklungsstufen — ist eine typische Stressreaktion. Das Kind fällt zurück, weil die aktuelle Situation seine Kapazitäten übersteigt. Einnässen kann auch eine Folge früherer Vernachlässigung sein: Das Kind hat nie gelernt, auf Körpersignale zu achten, oder es hatte nie einen sicheren Ort, um zur Toilette zu gehen.
Was hilft?
Kein Schämen, kein Schimpfen, kein großes Aufheben. Reagiere sachlich und liebevoll: 'Kein Problem, das passiert. Lass uns zusammen frische Sachen holen.' Wenn es über Wochen anhält, lass körperliche Ursachen ärztlich abklären und sprich mit der Fachberatung über therapeutische Unterstützung.
Essstörungen / Horten von Essen
Warum passiert das?
Kinder, die Hunger erlebt haben oder nie wussten, wann die nächste Mahlzeit kommt, entwickeln oft ein gestörtes Verhältnis zum Essen. Horten (Essen unter dem Kissen, im Schrank) ist eine Überlebensstrategie: 'Wenn ich Vorräte habe, verhungere ich nicht.' Auch Überessen oder Essensverweigern können Folgen von Vernachlässigung sein.
Was hilft?
Niemals Essen wegnehmen oder das Horten bestrafen. Stattdessen: Zeige dem Kind, dass es immer genug zu essen gibt. Feste Essenszeiten einhalten, aber auch Snacks zur freien Verfügung anbieten (z.B. eine Obstschale). Manche Pflegeeltern legen bewusst eine kleine Schublade mit haltbaren Snacks an, die dem Kind 'gehört'. Das reduziert die Angst.
Gut zu wissen
Wann professionelle Hilfe nötig ist
Nicht alles kannst und musst du alleine lösen. Professionelle Unterstützung ist kein Zeichen von Versagen — im Gegenteil: Sie zeigt, dass du die Bedürfnisse des Kindes ernst nimmst und bereit bist, dir Hilfe zu holen. Hier sind die Warnsignale, bei denen du aktiv werden solltest:
Anhaltende Selbstverletzung
Das Kind verletzt sich selbst (Kratzen, Ritzen, Kopf gegen die Wand schlagen). Hier ist sofortige Traumatherapie nötig.
Extreme Angstreaktionen
Panikattacken, nachtliches Aufschrecken mit Schreien, Erstarren bei bestimmten Auslösern (Triggern) — Anzeichen für posttraumatische Belastung.
Keine Besserung nach 3 Monaten
Wenn die beschriebenen Verhaltensweisen über Monate gleich intensiv bleiben oder sich verschlechtern, braucht das Kind therapeutische Begleitung.
Dissoziation
Das Kind 'ist plötzlich weg', starrt ins Leere, reagiert nicht mehr auf Ansprache — ein Schutzmechanismus bei schwerer Traumatisierung.
Sexualisiertes Verhalten
Altersuntypisches sexualisiertes Verhalten kann ein Hinweis auf sexuellen Missbrauch sein. Sprich sofort mit dem Jugendamt und einer spezialisierten Beratungsstelle.
Eigene Überlastung
Wenn du merkst, dass du an deine Grenzen kommst, gereizt reagierst, schlecht schläfst oder das Gefühl hast, dem Kind nicht gerecht zu werden — dann brauchst DU Unterstützung.
Anlaufstellen für Pflegeeltern
Du bist nicht allein. Diese Anlaufstellen können helfen:
- Jugendamt / Pflegekinderdienst: Deine erste Anlaufstelle für Beratung, Hilfeplananpassung und Vermittlung therapeutischer Angebote
- Traumatherapie: Spezialisierte Kinder- und Jugendpsychotherapeuten mit Erfahrung in Traumafolgestörungen (EMDR, traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie)
- Erziehungsberatungsstellen: Kostenlos und ohne Überweisung zugänglich — bieten Einzelberatung und Familienberatung
- Supervision: Professionelle Reflexion deiner Pflegesituation mit einer ausgebildeten Fachkraft — vom Jugendamt oft finanziert
- Pflegeeltern-Vereine: Wie PFAD e.V. oder regionale Vereine — bieten Fortbildungen, Rechtsberatung und Vernetzung
Tipp
Selbstfürsorge für Pflegeeltern
Dieser Abschnitt ist keine nette Ergänzung — er ist genauso wichtig wie alles andere in diesem Ratgeber. Du kannst nur dann eine verlässliche, ruhige und feinfühlige Bezugsperson sein, wenn es dir selbst gut genug geht. Pflegeeltern, die sich aufopfern, bis sie ausbrennen, helfen niemandem — am wenigsten dem Kind.
Warum Selbstfürsorge kein Egoismus ist
Die Betreuung eines traumatisierten Kindes ist emotional anspruchsvoll. Du nimmst die Gefühle des Kindes auf, regulierst sie mit, hältst Wut und Trauer aus — das kostet Energie. Ohne regelmäßige Auflademöglichkeiten entsteht sekundäre Traumatisierung oder Burnout. Und ein ausgebrannter Pflegeelternteil kann keine sichere Basis mehr sein.
Supervision nutzen
Regelmäßige Supervision mit einer Fachkraft hilft dir, belastende Situationen zu reflektieren, eigene Muster zu erkennen und neue Perspektiven zu gewinnen. Frage beim Jugendamt nach Kostenübernahme.
Auszeiten planen
Plane bewusst Zeiten ein, in denen jemand anderes die Betreuung übernimmt. Das kann ein Nachmittag pro Woche sein, ein freier Abend oder ein gelegentliches Wochenende. Sprich mit dem Jugendamt über Entlastungsangebote.
Netzwerk aufbauen
Vernetze dich mit anderen Pflegeeltern — die einzigen Menschen, die wirklich verstehen, was du durchmachst. Pflegeeltern-Gruppen, Online-Communities oder lokale Stammtische sind Gold wert.
Eigene Grenzen erkennen
Lerne, 'Nein' zu sagen und 'Ich brauche Hilfe' als Stärke zu sehen. Setze Grenzen gegenüber dem Jugendamt, der Herkunftsfamilie und dir selbst. Du musst nicht immer funktionieren.
Tipp
Häufige Fragen zur Eingewöhnung
Wie lange dauert die Eingewöhnung eines Pflegekindes?
Die Eingewöhnung eines Pflegekindes dauert in der Regel 3 bis 6 Monate, kann bei stark traumatisierten Kindern aber auch ein Jahr oder länger dauern. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Wichtig ist, keine starren Zeitvorgaben zu setzen, sondern das Kind dort abzuholen, wo es steht. Geduld und Beständigkeit sind die wichtigsten Faktoren für eine gelingende Eingewöhnung.
Was tun, wenn das Pflegekind in den ersten Wochen ständig weint oder schreit?
Häufiges Weinen und Schreien in den ersten Wochen ist eine normale Reaktion auf den enormen Verlust und die Verunsicherung, die das Kind erlebt. Bleibe ruhig und präsent, biete körperliche Nähe an (ohne sie aufzudrängen), und signalisiere: Ich bin da, du bist sicher. Vermeide es, das Weinen zu unterdrücken oder abzulenken. Wenn die Intensität nach mehreren Wochen nicht nachlässt oder du selbst an deine Grenzen kommst, suche professionelle Unterstützung durch eine Fachberatung oder Traumatherapie.
Soll ich mein Pflegekind in den ersten Wochen in Kita oder Schule schicken?
In der Regel empfiehlt es sich, in den ersten 2 bis 4 Wochen auf Kita oder Schule zu verzichten und dem Kind die volle Aufmerksamkeit zu Hause zu geben. Das Kind muss zuerst eine Bindung zu seinen neuen Bezugspersonen aufbauen, bevor es sich in weiteren sozialen Kontexten sicher fühlen kann. Sprich mit dem Jugendamt und der Einrichtung ab, wann ein behutsamer Einstieg sinnvoll ist. Bei Schulpflicht kann oft eine vorübergehende Befreiung beantragt werden.
Wie erkläre ich meinen leiblichen Kindern die Situation mit dem Pflegekind?
Sprich offen und altersgerecht mit deinen leiblichen Kindern, bevor das Pflegekind einzieht. Erkläre, dass das Kind bei seinen Eltern nicht bleiben konnte und jetzt bei euch ein sicheres Zuhause findet. Betone, dass sich deine Liebe zu ihnen nicht verändert. Erkläre auch, dass das Pflegekind möglicherweise Verhaltensweisen zeigt, die ungewöhnlich wirken, und dass das nichts mit ihnen zu tun hat. Plane bewusst Exklusivzeit mit deinen leiblichen Kindern ein und nimm ihre Gefühle — auch Eifersucht oder Verunsicherung — ernst.
Du bist nicht allein in dieser Phase
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