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Ablauf

Bereitschaftspflege
Kindern in Notsituationen ein Zuhause geben

Ein Anruf vom Jugendamt — und wenige Stunden später zieht ein Kind ein, das du noch nie gesehen hast. Bereitschaftspflege ist eine der anspruchsvollsten und wertvollsten Formen der Vollzeitpflege in Deutschland. Dieser Ratgeber erklärt, was Bereitschaftspflege bedeutet, wie der Ablauf funktioniert, was du mitbringen musst und wie die Vergütung geregelt ist.

10 Min. LesezeitAktualisiert: Februar 2026

Was ist Bereitschaftspflege?

Bereitschaftspflege — auch als Notpflege, Krisenpflege oder Kurzzeitpflege für Kinder bezeichnet — ist eine besondere Form der Familienpflege nach § 33 SGB VIII. Sie dient als sofortige Schutzmaßnahme, wenn ein Kind aus seiner Familie herausgenommen werden muss und noch keine dauerhafte Unterbringung gesichert ist. Die rechtliche Grundlage für die Inobhutnahme bildet § 42 SGB VIII.

Im Unterschied zur Vollzeitpflege, bei der ein Kind in der Regel langfristig oder dauerhaft in einer Pflegefamilie lebt, ist Bereitschaftspflege auf einen begrenzten Zeitraum ausgerichtet. Sie überbrückt die Phase, bis das Jugendamt geklärt hat, wo das Kind dauerhaft leben soll: bei der Herkunftsfamilie, bei Verwandten oder in einer anderen Pflegefamilie.

Typische Situationen, die zu einer Inobhutnahme führen:

Häusliche Gewalt: Ein Kind muss sofort aus einer Situation akuter Gewalt in der Familie herausgeholt werden. Das Jugendamt handelt häufig in Abstimmung mit der Polizei.

Vernachlässigung und Verwahrlosung: Kinder werden in einem Zustand schwerer Vernachlässigung aufgefunden — ohne ausreichende Nahrung, Hygiene oder Beaufsichtigung.

Psychische Erkrankung oder Sucht der Eltern: Ein Elternteil erleidet einen akuten psychischen Zusammenbruch oder ist durch Suchtmittel nicht in der Lage, für das Kind zu sorgen.

Tod oder schwere Erkrankung der Bezugsperson: Ein Elternteil stirbt plötzlich oder muss notfallmäßig ins Krankenhaus, ohne dass eine andere Betreuungsperson vorhanden ist.

Selbstmeldung durch Jugendliche: Ältere Kinder und Jugendliche wenden sich selbst an das Jugendamt und bitten um Schutz, weil sie zu Hause nicht mehr sicher sind.

Direkt nach der Geburt: Neugeborene werden direkt nach der Geburt in Obhut genommen, wenn feststeht, dass die Eltern das Kind nicht sicher versorgen können.

Abgrenzung zur Vollzeitpflege

MerkmalBereitschaftspflegeVollzeitpflege
DauerTage bis max. 3–6 MonateMonate bis Jahre
PlanbarkeitKurzfristig, oft Stunden VorlaufGeplanter Einzug mit Übergabe
PflegegeldPflegegeld + BereitschaftspauschalePflegegeld nach § 39 SGB VIII
KinderzimmerMuss jederzeit frei und bezugsfertig seinFür das konkrete Kind eingerichtet
ZielÜberbrückung bis PerspektivklärungDauerhafte oder langfristige Unterbringung
VorgeschichteMeist unbekannt bei AufnahmeOft durch Hilfeplanung bekannt

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Ablauf einer Bereitschaftspflege

Der Ablauf einer Bereitschaftspflege unterscheidet sich erheblich von einer klassischen Pflegekindvermittlung. Es gibt keine langen Kennlernphasen und keine vorbereitete Übergabe — die Situation erfordert schnelles, empathisches Handeln.

1

Der Anruf vom Jugendamt

Alles beginnt mit einem Telefonanruf — oft zu ungewöhnlichen Zeiten: nachts, am Wochenende, an Feiertagen. Der Bereitschaftsdienst des Jugendamtes informiert dich kurz über die Situation und fragt, ob du aktuell ein Kind aufnehmen kannst. Du bekommst in diesem Moment meist nur sehr wenige Informationen über das Kind — Alter, Geschlecht, manchmal den Grund der Inobhutnahme.

2

Kurzentscheidung und Vorbereitung

Du entscheidest innerhalb von Minuten, ob du aufnehmen kannst. Wenn ja, bereitet ihr das Kinderzimmer vor, legt Bettwäsche bereit, stellt einen Snack zusammen. Manchmal hast du 30 Minuten, manchmal kommt das Kind noch schneller — gerade bei nächtlichen Notaufnahmen läuft oft alles sehr komprimiert ab.

3

Aufnahme und Erstversorgung

Das Kind kommt an — häufig mit einer Fachkraft des Jugendamtes oder der Polizei. Es ist möglicherweise verstört, weint, ist still oder verhält sich auffällig. Deine Aufgabe in den ersten Stunden ist schlicht: Wärme, Sicherheit, Ruhe. Essen anbieten, ein Bad bereiten, ins Bett bringen. Pädagogische Interventionen kommen später — jetzt zählt das Grundgefühl: „Du bist sicher."

4

Erste Tage: Orientierung und Beobachtung

In den ersten Tagen geht es darum, eine erste Vertrauensbasis aufzubauen und gleichzeitig zu beobachten: Wie reagiert das Kind? Gibt es sichtbare Verletzungen, Anzeichen von Trauma, auffälliges Verhalten? Du hältst alles dokumentiert — das ist wichtig für das Jugendamt und spätere Helfer. Gleichzeitig nimmst du Kontakt zur zuständigen Fachkraft auf.

5

Perspektivklärung durch das Jugendamt

Parallel zu deiner Betreuung arbeitet das Jugendamt an der Perspektivklärung: Kann das Kind zurück zur Herkunftsfamilie? Gibt es Verwandte, die aufnehmen können? Wird eine langfristige Pflegestelle gesucht? Diese Klärung dauert Tage bis Wochen — manchmal auch Monate. Du wirst in diesen Prozess einbezogen, bist aber nicht allein dafür verantwortlich.

6

Übergabe und Abschluss

Irgendwann endet die Bereitschaftspflege: Das Kind zieht zur Herkunftsfamilie, zu Verwandten oder in eine andere Pflegestelle um. Eine gut begleitete Übergabe mit Überleitungsgesprächen und ausreichend Übergangszeit schützt alle Beteiligten — besonders das Kind. Nach der Übergabe beginnt für dich die Regenerationsphase, bevor das nächste Kind aufgenommen wird.

Tipp

Bereite dein Haus so vor, dass du innerhalb von 15 Minuten bereit für ein Kind bist. Ein fertig bezogenes Bett im Kinderzimmer, ein Grundvorrat an altersgerechten Lebensmitteln und ein paar neutrale Spielsachen oder Bücher helfen enorm — besonders wenn der Anruf um 23 Uhr kommt.

Wie lange dauert eine Bereitschaftspflege?

Bereitschaftspflege ist zeitlich befristet — aber wie lange genau, lässt sich im Voraus selten sagen. Die Dauer hängt davon ab, wie schnell das Jugendamt eine dauerhafte Lösung für das Kind finden kann.

Wenige Tage

In einfachen Fällen kann eine Rückkehr zur Herkunftsfamilie oder Unterbringung bei Verwandten sehr schnell geklärt werden — manchmal innerhalb von 48 bis 72 Stunden.

2–8 Wochen

Das ist der typischste Zeitraum. Das Jugendamt klärt die Familiensituation, holt Gutachten ein und sucht nach geeigneten Pflegeplätzen oder Heimplätzen.

Bis zu 6 Monate

Komplexe Fälle — etwa wenn gerichtliche Verfahren laufen oder kein geeigneter Pflegeplatz gefunden wird — können die Bereitschaftspflege auf mehrere Monate ausdehnen.

In der Praxis gibt es keine gesetzlich festgelegte Maximaldauer für Bereitschaftspflege. Die Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII setzt voraus, dass das Jugendamt unverzüglich die Personensorgeberechtigten informiert und die weitere Unterbringung klärt. Dauert die Unterbringung länger, wird dies in der Regel in eine reguläre Hilfe zur Erziehung nach § 27 i.V.m. § 33 SGB VIII überführt.

Wichtig

In manchen Fällen bleibt ein Kind dauerhaft in der Bereitschaftspflegefamilie — dann wird die Stelle in eine reguläre Vollzeitpflegestelle umgewandelt. Das ist möglich, muss aber von allen Beteiligten (Jugendamt, Eltern, ggf. Familiengericht) mitgetragen werden.

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Voraussetzungen für Bereitschaftspflegeeltern

Die Voraussetzungen für Bereitschaftspflegeeltern umfassen alle allgemeinen Anforderungen für Pflegeeltern — und darüber hinaus einige spezifische Bedingungen, die mit der besonderen Natur dieser Pflegeform zusammenhängen.

Formale Grundvoraussetzungen

Erweitertes Führungszeugnis für alle Haushaltsmitglieder ab 18 Jahren

Wie bei allen Pflegeverhältnissen wird für alle im Haushalt lebenden Personen ab 18 Jahren ein erweitertes Führungszeugnis nach § 30a BZRG benötigt. Es darf keine einschlägigen Vorstrafen enthalten und nicht älter als drei Monate sein.

Ärztliches Gesundheitszeugnis

Ein Attest belegt, dass du körperlich und psychisch in der Lage bist, auch in Hochdrucksituationen verlässlich für ein Kind zu sorgen. Die hohe Belastung in der Bereitschaftspflege macht Gesundheit zu einem besonders wichtigen Faktor.

Abgeschlossene Vorbereitung und Schulung

Die meisten Träger verlangen über die allgemeinen Pflegeelternseminare hinaus eine spezifische Schulung für Bereitschaftspflege — mit Schwerpunkten auf Trauma, Bindung, Krisenintervention, Erst- und Notversorgung sowie rechtliche Grundlagen der Inobhutnahme.

Freies, jederzeit bezugsfertiges Kinderzimmer

Das ist eine der entscheidenden praktischen Voraussetzungen: Das Kinderzimmer muss zu jedem Zeitpunkt frei und bezugsfertig sein. Ein fertig bezogenes Bett, Grundausstattung und Platz für die persönlichen Gegenstände eines Kindes müssen jederzeit vorhanden sein — auch wenn gerade kein Kind bei euch lebt.

Spezifische Anforderungen der Bereitschaftspflege

Permanente Erreichbarkeit

Mindestens eine Bezugsperson muss rund um die Uhr erreichbar sein — auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen. Urlaubs- oder Abwesenheitszeiten müssen mit dem Träger abgestimmt werden.

Mindestens ein Elternteil zu Hause

In der Regel muss mindestens eine Betreuungsperson überwiegend zu Hause sein oder die Möglichkeit haben, innerhalb kurzer Zeit zu Hause sein zu können. Vollzeitberufstätigkeit beider Betreuungspersonen ist in der Bereitschaftspflege meist nicht vereinbar.

Hohe Flexibilität und Spontaneität

Pläne können sich von einer Minute auf die andere ändern. Ein Kinoabend, ein Kurzurlaub, eine Familienfeier — all das kann durch einen Anruf des Jugendamtes neu priorisiert werden müssen. Bereitschaft zur Flexibilität ist keine Option, sondern Grundvoraussetzung.

Emotional hohe Belastbarkeit

Der schnelle Wechsel zwischen intensiver Bindung und Abschied, die unbekannte Vorgeschichte der Kinder und die Arbeit mit traumatisierten Kindern erfordern ein hohes Maß an emotionaler Stabilität und Resilienz.

Erfahrung im Umgang mit Kindern

Berufserfahrung in pädagogischen oder sozialen Bereichen ist ein klarer Vorteil. Eigene Kinder oder umfangreiche Erfahrung in der Betreuung von Kindern mit besonderem Förderbedarf sind häufig erwünscht.

Stabiles Familiensystem

Alle Haushaltsmitglieder — auch eigene Kinder — müssen hinter der Entscheidung stehen. Ein plötzlich einziehendes Kind mit unbekannter Vorgeschichte beeinflusst den gesamten Familienalltag. Das Familiensystem muss stabil genug sein, um das aufzufangen.

Gut zu wissen

Die konkreten Anforderungen variieren je nach Träger und Jugendamt. Manche freien Träger haben spezifische Profile für Bereitschaftspflegefamilien entwickelt. Eine ausführliche Beratung beim Pflegekinderdienst klärt, welche Anforderungen in deiner Region gelten.

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Vergütung und Pflegegeld in der Bereitschaftspflege

Die Vergütung in der Bereitschaftspflege ist anders aufgebaut als in der klassischen Vollzeitpflege. Sie berücksichtigt, dass Bereitschaftspflegefamilien auch dann einen erheblichen Aufwand haben, wenn gerade kein Kind bei ihnen lebt — durch Schulungen, Rufbereitschaft und die permanente Vorhaltung eines freien Zimmers.

Die drei Vergütungskomponenten:

1

Bereitschaftspauschale (Vorhaltekosten)

Diese monatliche Grundvergütung wird gezahlt, unabhängig davon, ob aktuell ein Kind bei euch lebt. Sie deckt die Rufbereitschaft, das freigehaltene Zimmer, Schulungszeiten und den administrativen Aufwand ab. Die Höhe variiert je nach Bundesland und Träger stark — in der Regel liegt sie zwischen 400 und 900 Euro monatlich. Manche Träger zahlen höhere Sätze für besonders erfahrene Familien oder spezielle Bedarfsprofile.

2

Pflegegeld während der Belegung

Sobald ein Kind bei euch einzieht, erhaltet ihr zusätzlich das reguläre Pflegegeld nach § 39 SGB VIII. Es umfasst einen Sachkostenanteil (für Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Freizeitbedarf) sowie einen Erziehungsbeitrag. Je nach Bundesland und Alter des Kindes liegt das Pflegegeld zwischen ca. 750 und 1.200 Euro monatlich. Während der Belegung werden Bereitschaftspauschale und Pflegegeld addiert.

3

Ausstattungspauschale bei Aufnahme

Bei der ersten Aufnahme eines Kindes — oder wenn ein Kind andere Ausstattungsbedarfe mitbringt (z.B. anderes Alter, besondere Behinderung) — kann eine Erstausstattungspauschale beantragt werden. Diese deckt kurzfristige Anschaffungen wie Kinderkleidung, Autositz, Kinderwagen oder spezifische Hilfsmittel ab. Die Höhe ist nicht bundesweit einheitlich geregelt.

Steuerliche Behandlung

Pflegegeld ist nach § 3 Nr. 11 EStG steuerfrei, solange nicht mehr als sechs Pflegekinder gleichzeitig betreut werden. Die Bereitschaftspauschale kann je nach Ausgestaltung als Aufwandsentschädigung steuerlich begünstigt sein — hier empfiehlt sich eine Abklärung mit einem Steuerberater.

Sozialversicherung

Wenn eine Betreuungsperson wegen der Bereitschaftspflege ihre Erwerbstätigkeit reduziert oder aufgibt, kann das Jugendamt Beiträge zur Rentenversicherung übernehmen (§ 39 Abs. 4 SGB VIII). Auch Beiträge zur Unfallversicherung können abgedeckt sein — je nach Bundesland und Träger.

Tipp

Die genauen Vergütungssätze unterscheiden sich erheblich zwischen den Bundesländern und sogar zwischen verschiedenen Trägern im selben Bundesland. Frage beim Pflegekinderdienst explizit nach den aktuellen Sätzen für Bereitschaftspflegefamilien in deiner Region — und lass dir das schriftlich bestätigen.

Besondere Herausforderungen der Bereitschaftspflege

Bereitschaftspflege ist keine leichte Aufgabe. Wer diese Form der Pflege in Betracht zieht, sollte die besonderen Herausforderungen kennen — nicht um abgeschreckt zu werden, sondern um realistisch einschätzen zu können, was auf einen zukommt.

Diese Herausforderungen erwarten dich:

Abschied nehmen — wieder und wieder

Jedes Kind, das aufgenommen wird, zieht früher oder später auch wieder aus. Auch wenn du weißt, dass es das Beste für das Kind ist, ist dieser Abschied emotional belastend — besonders wenn du eine starke Bindung aufgebaut hast. Erfahrene Bereitschaftspflegeeltern berichten, dass der Abschied nie leicht wird, aber dass man lernt, damit umzugehen. Supervision ist dabei unverzichtbar.

Unbekannte Vorgeschichte

Bei der Aufnahme weißt du oft sehr wenig über das Kind: Welche Erfahrungen hat es gemacht? Gibt es Erkrankungen, Allergien, Traumata? Die ersten Tage erfordern viel Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen, um das Kind kennenzulernen und richtig einzuschätzen. Gute Kommunikation mit dem Jugendamt hilft, Informationen schnellstmöglich zu erhalten.

Traumatisierte Kinder

Fast alle Kinder, die in Bereitschaftspflege kommen, haben traumatische Erfahrungen gemacht. Verhaltensweisen wie Rückzug, Aggression, Nässe, Schlafstörungen oder Essen horten sind häufig. Grundkenntnisse in traumasensibler Pädagogik sind keine Kür, sondern Notwendigkeit — und werden in guten Schulungen vermittelt.

Spontane Aufnahme zu jeder Tageszeit

Kinder kommen nachts, an Heiligabend, mitten im Sommerurlaub. Das erfordert von der gesamten Familie ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. Urlaube, Feste und private Pläne müssen immer mit einem Plan B bedacht werden.

Belastung für eigene Kinder

Wenn eigene Kinder im Haushalt leben, sind auch sie von jedem Wechsel betroffen. Plötzlich teilt ein fremdes, möglicherweise verhaltensauffälliges Kind ihr Zuhause und ihre Eltern. Offene Kommunikation, ausreichend Einzelzeit und klare Grenzen schützen die eigenen Kinder.

Ungewissheit über die Dauer

Du weißt beim Einzug nicht, ob das Kind drei Tage oder drei Monate bleibt. Das macht eine persönliche Planung schwierig und erfordert Toleranz für Ungewissheit — eine Eigenschaft, die nicht jedem leicht fällt, aber in der Bereitschaftspflege zentral ist.

Wie du dich schützt: Selbstfürsorge in der Bereitschaftspflege

Wer dauerhaft für Kinder in Notsituationen da sein will, muss auch für sich selbst sorgen. Burnout ist eine reale Gefahr in der Bereitschaftspflege — und lässt sich durch gezielte Selbstfürsorge vermeiden.

Regelmäßige Supervision nutzen: Supervision ist kein Zeichen von Schwäche, sondern professionelle Selbstfürsorge. Nutze das Angebot deines Trägers konsequent.
Pausen einfordern: Sprich mit deinem Träger offen darüber, wenn du nach einer intensiven Belegung eine Pause brauchst. Seriöse Träger respektieren das.
Netzwerk aufbauen: Andere Bereitschaftspflegeeltern verstehen wie kaum jemand sonst, was du erlebst. Austausch in Gruppen oder per Chat macht einen großen Unterschied.
Klare Grenzen setzen: Du bist nicht rund um die Uhr für alle da. Lerne, Nein zu sagen — auch gegenüber dem Jugendamt — wenn deine Kapazitäten erschöpft sind.

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Für wen eignet sich Bereitschaftspflege?

Bereitschaftspflege ist nicht für jeden geeignet — und das ist vollkommen in Ordnung. Wer seine eigenen Stärken kennt und realistisch einschätzt, findet heraus, ob diese Pflegeform zu ihm passt.

Bereitschaftspflege passt gut, wenn du...

  • spontan und flexibel bist und kurzfristige Veränderungen gut aushältst
  • keine langfristige Bindung an ein spezifisches Kind aufbauen willst, sondern vielen helfen möchtest
  • Erfahrung mit traumatisierten oder verhaltensauffälligen Kindern hast
  • mindestens eine Person im Haushalt überwiegend zu Hause ist
  • ein stabiles Familiensystem hast, das Veränderungen gut absorbiert
  • in der Lage bist, Abschied zu nehmen — auch wenn es wehtut
  • Supervision und professionelle Begleitung aktiv nutzen willst
  • gerne mit Behörden und Jugendamt zusammenarbeitest

Vollzeitpflege ist besser geeignet, wenn du...

  • dir eine langfristige, tiefe Bindung zu einem bestimmten Kind wünschst
  • Planbarkeit und Struktur im Alltag brauchst
  • beide Betreuungspersonen in Vollzeit erwerbstätig sind
  • Abschiede emotional sehr schwer verarbeitest
  • keine Bereitschaft für nächtliche oder spontane Aufnahmen hast
  • kein freies Zimmer dauerhaft vorhalten kannst oder möchtest
  • dich intensiv auf die Biografie eines bestimmten Kindes einlassen willst

Manche Familien beginnen mit Vollzeitpflege und wechseln später zur Bereitschaftspflege — oder umgekehrt. Beides ist möglich. Entscheidend ist, dass du ehrlich mit dir selbst bist und die Form der Pflege wählst, die zu deinen persönlichen Ressourcen und Lebensumständen passt.

Gut zu wissen

Es gibt auch Mischformen: Manche Familien machen primär Vollzeitpflege, nehmen aber gelegentlich auch Bereitschaftskinder auf, wenn eine akute Notsituation entsteht. Solche Arrangements werden individuell zwischen der Familie und dem Träger vereinbart.

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Häufige Fragen zur Bereitschaftspflege

Wie schnell muss ich bei Bereitschaftspflege ein Kind aufnehmen?

In der Regel musst du ein Kind innerhalb weniger Stunden aufnehmen können — oft noch am selben Tag oder in der Nacht. Das Jugendamt nimmt zunächst telefonischen Kontakt auf und klärt kurz, ob du kapazitär und situativ verfügbar bist. Die eigentliche Aufnahme erfolgt dann sehr zeitnah, da es sich um eine Inobhutnahme nach § 42 SGB VIII handelt und das Kind sofort geschützt werden muss. Deshalb ist es wichtig, dass mindestens ein Elternteil ständig erreichbar und das Kinderzimmer jederzeit bezugsfertig ist.

Bekomme ich Pflegegeld auch wenn gerade kein Kind bei mir lebt?

Ja — das ist einer der wesentlichen Unterschiede zur klassischen Vollzeitpflege. Bereitschaftspflegefamilien erhalten eine monatliche Bereitschaftspauschale (auch Vorhaltekosten genannt), auch in Zeiten ohne belegtes Kind. Diese Pauschale liegt je nach Bundesland und Träger zwischen etwa 400 und 900 Euro pro Monat und soll die permanente Vorhaltung eines freien Zimmers sowie die ständige Erreichbarkeit und Bereitschaft abgelten. Zusätzlich wird während der tatsächlichen Belegung das reguläre Pflegegeld nach § 39 SGB VIII gezahlt.

Kann ein Bereitschaftspflegekind dauerhaft bei mir bleiben?

Das ist möglich, aber nicht die Regel. Bereitschaftspflege ist konzeptionell als Überbrückung gedacht, bis eine dauerhafte Lösung — Rückkehr zur Herkunftsfamilie, Verwandtenpflege oder Vollzeitpflege — gefunden wurde. In manchen Fällen entscheiden jedoch alle Beteiligten gemeinsam, dass ein Wechsel für das Kind zu belastend wäre, und das Bereitschaftspflegekind verbleibt in der Familie. Dies erfordert dann eine formale Umwandlung in eine Vollzeitpflegestelle mit entsprechend angepasster Begleitung und Vergütung.

Welche Altersgruppen werden in Bereitschaftspflege vermittelt?

Bereitschaftspflege wird für alle Altersgruppen von Säuglingen bis Jugendliche eingesetzt, aber besonders häufig für Kinder unter sechs Jahren — und darunter wiederum sehr häufig für Säuglinge und Kleinkinder bis drei Jahre. Gerade Neugeborene und Babys, die direkt nach der Geburt in Obhut genommen werden müssen, brauchen schnell eine sichere Übergangslösung. Manche Bereitschaftspflegefamilien spezialisieren sich auf bestimmte Altersgruppen, was vom Träger bei der Vermittlung berücksichtigt wird.

Wie oft werden Bereitschaftspflegefamilien angefragt?

Das hängt stark von der Region, dem Träger und der verfügbaren Kapazität ab. In städtischen Gebieten mit hohem Fallaufkommen kann es sein, dass eine Familie mehrmals pro Monat angefragt wird. In ländlicheren Regionen kann es auch Wochen ohne Anfrage geben. Die meisten Familien berichten, dass sie im Jahresverlauf zwischen drei und zehn Kinder aufnehmen. Zwischen zwei Belegungen gibt es eine Erholungspause — wie lang diese ist, lässt sich individuell mit dem Träger absprechen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bereitschaftspflege ist eine zeitlich begrenzte Notaufnahme nach § 42 SGB VIII — für Kinder, die sofortigen Schutz brauchen.
  • Aufnahmen erfolgen oft innerhalb von Stunden — auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen.
  • Die typische Dauer liegt zwischen wenigen Tagen und acht Wochen — in komplexen Fällen bis zu sechs Monate.
  • Bereitschaftspflegeeltern brauchen hohe Flexibilität, emotionale Belastbarkeit, Trauma-Grundwissen und mindestens eine Person überwiegend zu Hause.
  • Die Vergütung besteht aus einer Bereitschaftspauschale (auch ohne Kind) und dem regulären Pflegegeld während der Belegung.
  • Abschied, Ungewissheit und traumatisierte Kinder sind die größten Herausforderungen — Supervision und Selbstfürsorge sind unverzichtbar.
  • Bereitschaftspflege ist nicht für jeden geeignet — Vollzeitpflege ist eine gleichwertige Alternative für andere Stärken und Lebensumstände.

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